Kolumne
Tschutti-WM 20xx: Hopp Schwiiz – Zur Zukunft der Schweizer Fussball-Nationalmannschaft

Das sagt ein Experte für Wirtschaftsrecht zum Abschneiden der Nationalmannschaft.

Peter V. Kunz
Peter V. Kunz
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«Die Schweiz wird Tschutti-Weltmeister, ich habe keine Zweifel», sagt Peter V. Kunz.

«Die Schweiz wird Tschutti-Weltmeister, ich habe keine Zweifel», sagt Peter V. Kunz.

Keystone

Katzen(jammer) statt Doppeladler? Blödsinn! Die Schweiz wird Tschutti-Weltmeister, ich habe keine Zweifel. Nachdem ein Bundesrat vor Jahren zielsicher analysiert hat: «Wir haben die beste Armee der Welt», halte ich heute fest, ziel- und treffsicher: «Wir haben die beste Tschuttimannschaft der Welt» – zumindest fast. Doch die gekühlten Nordmänner standen im Weg und haben dem flatternden Doppeladler die Flügel gestutzt, was sehr unfair war, weil – nun gut – halt eben drum und deshalb. Punkt. Es muss ja nicht die Tschutti-WM 2018 sein. Und wie der Phönix aus der Asche wird sich der Doppeladler aus dem Gras erheben.

Peter V. Kunz, Ordinarius für Wirtschaftsrecht

Der Autor, Prof. Dr. iur., Rechtsanwalt, LL.M., ist seit 2005 Ordinarius für Wirtschaftsrecht und Rechtsvergleichung der Universität Bern; seit 2015 ist er Dekan der Rechtswissenschaftlichen Fakultät. Vor seiner akademischen Karriere
war er unter anderem als Journalist tätig und als FDP-Mitglied Gemeinderat in Dulliken und Kantonsrat des Kantons Solothurn. Inzwischen ist er aus der
FDP ausgetreten.

Über Jahrzehnte haben wir uns daran gewöhnt, dass die CH-Tschütteler zwar gut spielten, dann aber jeweils verloren. Heute spielen sie nicht mehr so gut, haben allerdings Erfolg, zumindest in der Vorrunde. Und daran kann ich mich durchaus gewöhnen. Dass unsere Tschütteler jetzt verloren haben, ist einfach zu erklären. Meine Frau Eveline hat mir ein Originaltrikot der Tschuttinati geschenkt, mit dem ich zu Hause vor dem TV sass, doch es war mir – trotz grösster Grösse – zu eng, was alles erklärt: Schweizer Tschütteler sind halt eher klein gewachsen, und das geht gar nicht gegen die gross gewachsenen Nordmänner.

Bekanntlich sind Prognosen, so Karl Valentin, immer schwierig, «besonders wenn sie die Zukunft betreffen». Dass die akademischen Titel für meine Fussballprognosen von untergeordneter Bedeutung sind, leuchtet auch mir ein, doch unterschätzen Sie mich bitte nicht. Ich bin kein Theoretiker, sondern ein erfahrener Tschuttipraktiker, aus diversen «Grümpis» und durch langmonatige Praxiserfahrung: Im Jahr 1972 habe ich als siebenjähriger Aktivfussballer fast ein ganzes Jahr im FC Dulliken getschuttet – von dieser Expertise zehre ich heute noch.

An der Tschutti-WM 2014 hatte ich Pech (nicht: Unvermögen!) in einem Tippspiel, sodass mir der Titel «Diplomierter Vertippexperte» verliehen und mein Kürzel «PVK» («Peter V. Kunz») zu «PechVogelKunz» umgedeutet wurden. Im Zertifikat des Tippspiels wurde mir bestätigt, «mit viel Engagement und bescheidenen Fussballkenntnissen auf dem letzten Platz abgeschlossen» zu haben. Doch nunmehr wird alles gut, endlich: Die Schweiz wird Tschutti-Weltmeister (oder kommt immerhin ins Viertelfinale) – irgendwann!

Eine ornithologische Randbemerkung: In der Datenbank «vogelwarte.ch» sind 422 Vogelarten verzeichnet, doch trotz intensiver Recherche habe ich keinen Doppeladler entdecken können, weder schweizerischer noch albanischer Provenienz. Weshalb dann diese Aufregung um diese so seltene Tierspezies, sozusagen das «Nessie» der Vogelwelt?

Die Jubelgesten des «Doppeladlers» fand ich schlicht dumm, muss jedoch zur Kenntnis nehmen, dass «dumm» bei gewissen Fussballern offensichtlich nicht zwangsläufig als negatives Adjektiv angesehen wird. Und die Jungs wollen ja Goals erzielen und nicht den Physiknobelpreis, sondern einen Tschutti-Titel gewinnen. Mich als Fussballexperten irritiert eher, dass Shaqiri seit Jahren als Tschütteler überschätzt wird, und dass Xhaka seit längerer Zeit sein angebliches Potenzial nicht abrufen kann.

So, kommen wir nun doch noch kurz zu Herrn Vincenz, zu Raiffeisen, zu Frau Ruoff und zu PostAuto. Ähm, besser nicht – wahrscheinlich interessiert es Sie so wenig wie mich (momentan zumindest), denn wir befinden uns im Sommerloch mit Partystimmung und Public Viewing. Nebst der Sommerhitze erwärmen herzige Geschichten das Herz, beispielsweise die herzige Hochzeit von Prinz Harry mit Herzogin Meghan oder das kleine Buschi von Embolo, sooo herzig – und die kleine Naliya wird sicher Tschutti-Weltmeisterin für die Schweiz in einer unisex Tschutti-Personenschaft im Jahr 2042.

Zum Schluss bekenne ich, dass ich germanophil bin («häh»?), womit ich zu einer Minderheit der Schweizer gehöre. Ja, ich empfand weder Freude noch Schadenfreude, als die deutschen Tschütteler ausgeschieden sind. Der picknickkorbdiebische Jogi Bär ist gescheitert am wirklich nicht mehr frischen Motto: «Ich bin schlauer als der gewöhnliche Durchschnittsbär». Und ich frage mich: Wo blieb sein kluger Kumpel Boo Boo Bär? Uns kann dies alles egal sein, denn Tschutti-Experte Kunz prognostiziert für die Tschutti-WM 2022: Die Schweiz wird Tschutti- Weltmeister – im Final gegen Deutschland!