Café Fédéral

Unsinniges Recycling

Anna Wanner
Drucken
Teilen
Sonnenhungrige im Marzilibad

Sonnenhungrige im Marzilibad

Keystone

Marzili. Im Freibad an der Aare kühlen sich die Berner während heisser Sommertage ab. Nicht nur im Schatten grosser Bäume oder in den Schwimmbecken, zum eigentlichen Volkssport gehört, dass die Badenden ein paar hundert Meter den Flusslauf hochgehen, um sich in der 16 Grad kalten Aare treiben zu lassen. Das Bad zieht allerlei Volk an: Nacktbader und Bier trinkende Jugendliche, Schnellschwimmer und laute, kleine Kinder. Deshalb eignet sich das Freibad auch für Pilotversuche wie jenen, den die Stadt Anfang Saison gestartet hat: Abfalltrennung für Schwimmbadgäste. Schweizern, den Weltmeistern im Recycling, ist es zuzutrauen, dass sie PET-Flaschen auch in der Freizeit in einen anderen Kübel werfen als Büchsen, Papier oder Glas.

Nun lässt sich trefflich über die Ästhetik der mannshohen Container streiten, die neu wie graue Wände die Sicht auf das Kinderplanschbecken und die Aare verstellen. Unbestreitbar ist hingegen, dass sie ihren pädagogischen Zweck haushoch verpasst haben. Der Einwurf ist so weit oben angesetzt, dass Kinder ihn kaum erreichen können. Somit verfehlt das Projekt die erzieherische Wirkung just bei jenen, die noch formbar und für solche Massnahmen empfänglich wären.

Die Erkenntnis für den Badegast: Die Container erleichtern dem Entsorgungsamt zwar die Arbeit, weil die grossen Container mit Räder ausgestattet und mit dem jeweils nächsten verbunden sind. So können sie einfach aus dem Bad gezogen werden. Wenn sie jedoch halb leer bleiben, nützt das ja alles auch nichts. Immerhin: Genau deswegen gibt es Pilotversuche. So kann es die Stadt im nächsten Jahr bei den anderen Berner Freibädern besser machen.