Kommentar

Unzeit für die Marktöffnung

Im aktuellen Umfeld ist es richtig, wenn der Bundesrat die Bindung an den Lieferanten so belässt und den geplanten, zweiten Marktöffnungsschritt verschiebt, findet Mathias Küng.

Mathias Küng
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Weist der Aargau bei seinen grossen Energiebeteiligungen in den letzten Jahren einen Wertverlust von 725 oder «nur» von 422 Millionen Franken aus? So oder so: eine riesige Summe. Manch einer wird sich damit beruhigen, es sei «nur» ein Buchverlust, die Beteiligung werde als Teil des kantonalen eh Tafelsilbers nicht verkauft. Aber es bleibt ja nicht beim Buchverlust. Von der Axpo erhielt der Aargau beispielsweise 2011 für seine Direktbeteiligung immerhin noch 11 Millionen Franken Dividende. Derzeit und in absehbarer Zeit ist
da nichts zu erwarten. Solange der Strompreis infolge der marktverzerrenden deutschen Subventionspolitik und spottbilliger, klimaschädlicher Kohle am Boden ist, bleibt das so.

Wer hätte vor zehn Jahren, als Stromkonzerne wie die Axpo mit ihren Gewinnen die Schatullen der Besitzerkantone füllten, einen solchen Strompreiszerfall vorhergesehen? Angesichts solcher Unwägbarkeiten und der langen Reaktionszeit der Politik in einer so ausserordentlichen Lage macht es Sinn, grundsätzlich über staatliche Beteiligungen nachzudenken. Die bringen nämlich nicht einfach alle Geld wie die erfolgreiche Aargauische Kantonalbank. Sie können sich zum Klumpenrisiko entwickeln, wie der Energiemarkt eindrücklich zeigt.

Aktuell profitieren viele Stromkonzerne davon, dass die Strommarktöffnung in der Schweiz erst für Grosskunden erfolgt ist. Die Kleinkunden (die Haushalte) sind noch an den Lieferanten gebunden. Im aktuellen Umfeld ist es richtig, wenn der Bundesrat das so belässt und den geplanten, zweiten Marktöffnungsschritt verschiebt. Von diesem würden die Kleinkonsumenten zwar profitieren. Die Konzerne kämen aber noch viel mehr in Schieflage, das «Energietafelsilber» des Kantons würde noch mehr erodieren. Davon hätte niemand etwas.