Cappuccino

Visionen made im Aargau

Nadja Rohner
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Vision: Der Bezirk Suhrental.

Vision: Der Bezirk Suhrental.

Geoportal Aargau/Sth

Diese Woche habe ich mich beim Zeitunglesen gleich mehrmals gefragt, ob ich irgendwie zwei Monate verschlafen habe und der 1. April schon da ist. Die Suhrentaler wollen einen eigenen Bezirk, stand da. Freilich erfuhren das die meisten Suhrentaler auch erst aus der Presse. Das Vorhaben ist ein Versuch, als Region mehr Gewicht zu erlangen. Ob es sinnvoll ist, dazu einen Mini-Bezirk mit knapp 14 000 Einwohnern, aber eigenem Verwaltungsapparat zu erstellen? Im Zurzibiet will man ja gerade kleine Gemeinden zusammenlegen, um sich für die Zukunft zu stärken. Auch eine Vision, aber eine längst überfällige.

Weil mit Baden gerade niemand fusionieren will, beschäftigt man sich dort mit anderen grossartigen Ideen. Die Badener planen nämlich eine Seilbahn durch die halbe Stadt. Konkret: Die Gondeln sollen zwischen dem Bahnhof und dem neu gestalteten Bäderquartier hin- und herfahren. Vielleicht sogar über die Limmat und den Hertenstein hinauf. Ja, das ist durchaus ernst gemeint. Wo die 15 bis 20 Mio. Franken dafür herkommen sollen, ist aber noch offen. Ebenso, wie sich eine nicht eben hübsche Seilbahnanlage mit dem Stadtbild verträgt.

Eine ähnliche Idee gab es übrigens vor wenigen Jahren auch in Aarau. Studenten der Hochschule für Technik Rapperswil schlugen vor, das wachsende Telliquartier mit einer Seilbahn zum Bahnhof auszustatten. Vielleicht holen die Stadtplaner diese Idee wieder aus der Schublade, wenn die Badener damit Erfolg haben? Allerdings – vielleicht bauen wir hier in der Kantonshauptstadt erst mal das Stadion, den «Pont neuf» und planen das Kasernenareal, bevor wir Visionäres aus dem Giftschrank holen.

Solches hats im Westaargau sowieso nicht ganz leicht. Der angesehene Ingenieur Gottlieb Lüscher wollte Anfang des 20. Jahrhunderts einen Stausee zwischen Aarau und Rupperswil. 3,5 km lang, 1 km breit. Komplett mit Hafenanlagen und Riesenkränen. Zudem propagierte er einen Tunnel mitten durch die Staffelegg. Und was passierte? Verspottet haben sie ihn, den armen Herrn Lüscher. Auch das Grossstadt-Projekt «Arolfingen» erlitt vor gut 40 Jahren Schiffbruch. Man wollte die drei Kleinstädte Aarau, Olten und Zofingen samt Agglo zu einer einzigen grossen Stadt zusammenführen. Aus dem gescheiterten Fusionsprojekt ist immerhin eine regionale Kooperation geworden, den Namen «Arolfingen» tragen ein Lokalsender und ein Tierheim.

Wer Visionen hat, soll zum Arzt gehen, sagte einst der deutsche Bundeskanzler Helmut Schmidt. Oder vielleicht in den Aargau umsiedeln?