Persönlich

Auch der Wild Maa darf nicht schlagen

Liebe Ehrengesellschaften: Achtet darauf, dass die Kinder später Freude haben am Vogel Gryff.

Muriel Mercier
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Der Wild Maa spurtet los, geht in die Knie und dreht sein Tännchen energisch.

Der Wild Maa spurtet los, geht in die Knie und dreht sein Tännchen energisch.

Juri Junkov/Fotograf

Der Wild Maa ist temperamentvoll, tanzt energisch und verscheucht mit seinem Tännchen die vorwitzigen Kinder, die versuchen, seine Äpfel vom Kranz zu klauen. Sein Gesichtsausdruck ist gefürchig, den Kleinen soll es bei seinem Anblick mulmig werden. Er jagt sie weg, indem er den grossen Ast über seinen Schultern in deren Richtung dreht. Seit Jahrhunderten ist das die Hauptaufgabe des Wilden.

Aber: Er schlägt sie nicht! Könnte man meinen. Der Tänzer jedoch, der am Mittwoch am Vogel Gryff den Wild Maa verkörperte, hatte da offensichtlich keine Skrupel. Er schlug den Primarschülern die Tanne mehrfach ins Gesicht, sodass sie teilweise gar anfingen zu weinen. Kein Wunder, wenn einem jemand Tannenäste ins Gesicht peitscht, dann tut das auch den Grossen weh. Das geht gar nicht!

Nicht falsch verstehen: Ich finde Traditionen toll. Gerade hier werden diese gefeiert, die Basler sind stolz auf die Brauchtümer und achten darauf, dass diese nicht an zeitgenössische Entwicklungen angepasst werden. Die ganze Stadt freut sich 362 Tage auf die drey scheenschte Dääg, im November strömen Scharen auch von über der Grenze an die Herbstmesse und am Vogel Gryff feiern die Kleinbasler eben ihren traditionellen Ehrentag.

Aber es hat Grenzen, lieber Wild Maa. Willst du dich schlagen, stell dich in einen Boxring und kämpf gegen deinesgleichen. Und die drei Ehrengesellschaften möchte ich bitten: Achtet darauf, dass die heute Kleinen auch später noch Freude haben an eurem Feiertag!