Mein Leben im Dreiland
Familiengärtner sorgen für Unmut

Auf dem Lachenweg in Frankreich parkieren Autos, obwohl ein ausdrückliches Parkverbot herrscht.

Peter Schenk
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Erboste Franzosen am Lachenweg
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Die Franzosen – die Strasse gehört zu Frankreich – sind darüber erbost.
Bis zu 70 Autos wurden an einem Sonntag schon gezählt. Im Lachenweg, der zu Frankreich gehört (bei den Familiengärten zwischen Basel und Saint-Louis Bourgfelden) stehen am Sonntag 70 oder noch mehr Autos aus der Schweiz im Parkverbot und verstopfen die Strasse. Das erbost die Franzosen.

Erboste Franzosen am Lachenweg

Kenneth Nars

Auf immerhin 28 093 Clicks hat es ein Artikel der elsässischen Tageszeitung «L’Alsace» mittlerweile gebracht. Der Beitrag mit dem Titel «Ein rechtsfreier Raum in Saint-Louis Bourgfelden?» thematisiert eine Strasse, die mitten in den Familiengärten von parkierenden Autos aus der Schweiz verstopft sei, obwohl dort ausdrücklich Parkverbot gilt.

Zusätzlich wird auf den Schildern angedroht, die Autos abzuschleppen. Im Artikel beklagt sich eine Mutter, dass sie aufgrund der beengten Verhältnisse mit ihrem Kinderwagen kaum mehr durchkomme, wenn sich ein Auto auf der verbliebenen freien Spur nähert. Auch Velofahrer und Fussgänger würden sich über die Schweizer Autos aufregen wie überhaupt viele Einwohner aus dem Quartier Bourgfelden von Saint-Louis.

Besondere Brisanz erhält der Artikel dadurch, dass sich die Strasse, der Lachenweg, auf französischem Territorium befindet. Sie verbindet die Route des Romains gleich hinter der Grenze Burgfelderhof mit dem Kieswerk, das auf der Route de Bâle Richtung Hegenheim liegt. Letztere mündet wenige Hundert Meter Richtung Basel in die Hegenheimerstrasse.

Zuständig für den Lachenweg sind die französischen Behörden. Rechts und links liegen Familiengärten, die zum Basler Verband der Familiengärtnervereine (FGV) gehören wie der FGV Lachenweg, FGV Reibertweg oder FGV Basel-West. Obwohl hier Frankreich ist, gehört das Gelände zum Teil dem Basler Bürgerspital.

Der Autor regt sich darüber auf, dass fehlbare französische Autofahrer in der Schweiz kaum je mit Nachsicht behandelt würden, die hier in Frankreich im Parkverbot stehenden Schweizer Autofahrer aber ungebüsst bleiben.

Sollten die französischen Behörden die Verbote wirklich durchsetzen, würde das teuer werden. 135 Euros kostet das Parkieren im Parkverbot, und fürs Abschleppen fallen noch einmal 112 Euro an. 17 000 Euro Einnahmen hat sich der französische Staat allein am vorletzten Sonntag entgehen lassen, rechnet der elsässische Journalistenkollege aus. Bei seinem letzten Besuch sei er am vorletzten Sonntagnachmittag auf 70 falsch parkierte Schweizer Autofahrer gestossen. Die zitierte Mutter habe auch schon bis zu 150 Autos gezählt.

Das Phänomen tritt vor allem am Wochenende auf, vorzugsweise am Sonntag. Ich war letzten Sonntag vor Ort. Es war schönes Wetter, und tatsächlich habe auch ich im Lachenweg rund 70 parkierte Autos gezählt – mit einer Ausnahme alle aus der Schweiz und vor allem aus Basel.

Die Situation ist aber etwas komplizierter als von der «L’Alsace» geschildert. Kommt man vom Kieswerk, findet sich erst nur auf der rechten Strassenseite ein Parkverbotschild – die Autos parkieren aber auf der linken Seite. Ausserdem ist die Strasse hier auf den ersten mehreren Hundert Metern so breit, dass fahrende Autos und Kinderwagen oder Velos sehr gut aneinander vorbeikommen. Das Parkverbotsschild mit der Abschlepp-Drohung findet sich auf der linken, zuparkierten Seite in der anderen Fahrtrichtung.

peter.schenk@bzbasel.ch