Munzach-Kinder

Hunderte Interessierte kamen nach Munzach

Auch der erste Kantonsarchäologe des Baselbiets Jürg Ewald (79) war ein «Munzachkind». Er schaufelte und pickelte als 13-Jährger unter der Leitung von Theodor Strübin und erlebte den Munzach-Hype in Liestal hautnah mit.

Jürg Ewald
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Munzach-Kinder
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Mit dem Parkieren konnte man es damals noch einfach halten.
Theo Strübin (links) in Aktion.

Munzach-Kinder

ZVG/Archäologie und Museum Baselland

«1951 war die Munzachgrabung schon in vollem Gang. Meine Mutter animierte mich, wie viele andere Liestaler Kinder auch auf der Grabung mitzuhelfen. Also packte ich in den Sommerferien früh morgens mein Velo und fuhr zum Hasenbühlhof. Dort gab Theo Strübin Anweisungen, wer wo zu graben hatte. Er war eine Respektsperson und führte die Kinder und Jugendlichen mit strenger Hand. Von der Feuerwehrleiter aus überblickte er das Gelände und machte Luftaufnahmen der römischen Villa, die sich da entfaltete.

Es hatte etwas Exklusives, an dieser Grabung teilnehmen zu dürfen. Es kamen spektakuläre Funde zum Vorschein wie etwa die Säule aus Marmor oder das Quadrigamosaik. Auch den Hypokaust haben wir gefunden, das ist die Fussbodenheizung einer römischen Villa. Ich erinnere mich, wie ich zwischen den Hypokaust-Pfeilern gegraben habe und Mosaik-Stückchen herausgeholt habe. Natürlich war es auch besonders, sich dabei ein Sackgeld zu verdienen. Ich bekam 20 Rappen pro Stunde und später 50 Rappen, als ich schwerere Arbeiten verrichten konnte. Am Anfang musste ich aber schon schauen, dass die Schubkarre nie zu voll war, sonst wäre sie umgekippt. In den Pausen bekamen wir Eptinger Mineralwasser gesponsert und Bäckereien und Metzgereien aus Liestal lieferten Znüni und Zvieri.

Auch das Interesse aus der Bevölkerung war sehr gross. Wenn Theo Strübin ein Zeitungsinserat schaltete und zu einer Führung auf der Grabung einlud, kamen die Leute in Scharen. Hunderte von Besuchern standen an einem Sonntag auf der Grabung und liessen sich die neusten Funde und die Zusammenhänge erklären. Es kamen sogar Cars aus anderen Kantonen und aus dem nahen Ausland. Als Theo Strübin 1954 die Munzachgesellschaft gründete, übernahm ich das Amt des Sekretärs. Ich adressierte jeweils stundenlang Couverts, die Gesellschaft hatte in den 1950er- und 60er-Jahren über 600 Mitglieder.»

«Archäologie in Kinderschuhen»

Die neue Ausstellung im Dichter- und Stadtmuseum Liestal beleuchtet die Geschichte der legendären Munzach-Grabung. Im Hinblick darauf veröffentlicht die bz in drei Teilen Augenzeugenberichte von heute noch lebenden Munzachbuebe und -meitli.

Bisher erschienen: Christian Wieser (7. 8.) und Sonja Hauer (10. 8.). Die Ausstellung öffnet am Freitag, 17. August 2018 um 18.00 Uhr mit einer öffentlichen Vernissage. Der Eintritt ist frei.

www.dichtermuseum.ch