Mein Leben im Dreiland

Wenn der Staat den Gottesdienst bezahlt

Während Kirchenmitglieder in Basel und Deutschland Kirchensteuer zahlen, ist das in Frankreich unbekannt. Aufgrund der Lokalgesetzgebung kommt der französische Staat im Elsass aber für die Gehälter der Pastoren auf und ernennt sogar die Bischöfe.

Peter Schenk
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zvg

Das Elsass ist in vielem ein wenig anders als der Rest Frankreichs. Das gilt auch für die Kirche. Während in Frankreich 1905 die Trennung zwischen Staat und Kirche verfügt wurde, werden die elsässischen Pastoren und Rabbiner bis heute direkt vom Staat entlöhnt. Dieser darf sogar die Bischöfe von Strassburg und Metz ernennen.

Zurück geht dies auf das napoleonische Konkordat von 1801. Bei seiner Abschaffung gehörten das Elsass und der deutschsprachige Teil Lothringens zum Deutschen Reich – 1918 kamen sie wieder zu Frankreich.

Nach dem Ersten Weltkrieg wurde beschlossen, dass die drei betroffenen Départements einen Sonderstatus erhalten, das sogenannte «droit local». Das Lokalrecht schreibt vor, dass Regelungen und Gesetze in Bezug auf die Sozialhilfe, Ferien, das Gesundheitssystem oder auch die Kirche aus der deutschen Zeit weiterbestehen.

Um die 1200 Personen erhalten so ihre Gehälter vom französischen Staat. Es entspricht für einen Pastor ungefähr dem Gehalt eines Primarschullehrers, für einen hochrangigen Kirchenvertreter dem eines Schuldirektors. Finanziert wird dies aus den Steuern ganz Frankreichs. Es sind also nicht nur die elsässisch-lothringischen Steuerzahler, die für die Kirchen aufkommen. Eine Kirchensteuer, wie es sie in Basel oder in Deutschland gibt, kennen die Franzosen nicht.

In Deutschland zieht der Staat die Kirchensteuer mit der Lohnsteuer ein und überweist sie an die Kirchen. Wer angestellt ist, wird zudem an der Quelle besteuert. Wer in Deutschland keine Kirchensteuer mehr zahlen will, muss aktiv aus der Kirche austreten.

Die langen Jahre, die ich im Elsass gewohnt habe, hat mich nie jemand nach meiner Konfession gefragt. Sogar, als ich meine Aufenthaltsgenehmigung beantragt habe, war das kein Thema. Das war noch bequem, weil ich mich nicht entscheiden musste, wie ich zur Kirche stehe. Mit meinem Umzug nach Basel war es damit vorbei: Ich musste meine Religionszugehörigkeit bekennen. Bei der Anmeldung habe ich «reformiert» angekreuzt. Die Rechnung für die Kirchensteuer erhalte ich direkt von der Kirche. Sie beträgt acht Prozent der Staatssteuer.

Dass es historische Unterschiede zwischen Reformierten und Lutheranern gibt, habe ich erst später verstanden. So war es im Zeitalter der Reformation undenkbar, zwischen den Konfessionen zu heiraten. Heute fallen mir Kleinigkeiten auf. So war im «Kirchenboten» Anfang Jahr mehrfach vom Unservater die Rede. Bei mir zu Hause heisst es hingegen Vaterunser. Woher dieser Unterschied kommt, weiss wohl nur der liebe Gott.