Persönlich

Die Cargohose

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Obwohl im Alter öfter getragen, ist die Cargo-Hose nichts für mich. (Symbolbild)

Obwohl im Alter öfter getragen, ist die Cargo-Hose nichts für mich. (Symbolbild)

Bortolani

Vor Jahren fiel sie mir auf. Die Hose mit den vielen Taschen, deren Träger so wirken, als hätten sie mit einem halben Liter Wasser die Sahara in einem Mal durchquert. Oder einen Pottwal vor Australiens Westküste mit dem Sackmesser erlegt. Vermeintliche Abenteurer, die den halben Hausrat mit sich tragen könnten, wenn sie den müssten. Minigrill samt Zündwürfel und die selbst unter Wasser entflammbaren Streichhölzer scheinen sie sowieso immer dabei zu haben.

Mir hat vor diesen Ben-Hur-Attrappen der Neuzeit immer gegraut, beziehungsweise vor deren Hose. Eben, der Cargohose. Aber Vorsicht: Am Samstag bin ich durch die Gassen einer Kleinstadt flaniert und dabei an einem Hosengeschäft vorbeigekommen. Völlig unbedarft trat ich ein. Ein Misstritt, wie man nachher so schön sagt. Der Verkäufer, ein Bär von einem Mann, legte mir eine Cargohose vor. Ich lehnte freundlich ab. Er dagegen hielt nur den Kopf etwas schief und meinte: «Ach, wissen Sie, in Ihrem Alter legt man eher an Gewicht zu.» Praktisch, wenn sich die Taschen vom Körper weg wölbten.

Ich empfand die Bemerkung fast als Beleidigung. Eine Cargohose kommt nicht in Frage. Basta! Aber wenn ich so darüber nachdenke: Ganz unrecht hatte der Mann in Sachen einengender Körperfülle wirklich nicht.

urs.huber@chmedia.ch