Kommentar

Die Frage nach den Schuldigen

An der Generalversammlung des FC Grenchen wurde ein tristes Bild gezeichnet. Der Klub wackelt.

Daniel Weissenbrunner
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Stadion des FC Grenchen

Stadion des FC Grenchen

Hanspeter Bärtschi

Um die Zahlen lesen zu können, benötigt man keinen Hochschulabschluss in Ökonomie. Wer derart über den eigenen Verhältnissen lebt, nimmt – willentlich oder nicht – den Totalabsturz in Kauf. Die Geldvernichtungsmaschine FC Grenchen drehte über Monate und Jahre hinweg auf Hochtouren.

Die Schuldigen sind freilich schnell ausgemacht. Da ist ein Rolf Bieri, der mit seinem Stil tiefe Gräben durch den Verein zog und zum Bau von Luftschlössern neigte. Da waren die vermeintlichen Investoren aus Frankreich, die einen Geldsegen versprachen. Am Ende kosteten sie den Klub über 30 000 Franken. Da ist der jetzige Vorstand, der mit grossem Einsatz versucht zu retten, was zu retten ist, aber angesichts dieser Dimensionen heillos überfordert ist. Da sind die Mitglieder. Sie nahmen die Hiobszahlen fassungslos, ratlos und wütend entgegen und verweigerten als Quittung ihres Unmuts den Vorstandsleuten die Gefolgschaft. Das ist ihr gutes Recht.

Die Besserwisser sollten aber eines bedenken: Sie waren es, welche die hochtrabenden Pläne, die den Verein bis in die Challenge League führen sollte, kommentarlos durchwinkten. Sie waren es, die den vermeintlichen Geldgebern unkritisch gegenüberstanden und ihnen das Vertrauen aussprachen.

Alle jene, die jetzt mit dem Finger auf die Schuldigen zeigen, machen es sich zu einfach. Sie sollten sich selbst fragen, ob sie ihrer Verantwortung nachgekommen sind.