Meinung

Eine verpasste Chance

Balz Bruder
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Das Stimm- und Wahlrechtsalter wird nicht gesenkt. (Symbolbild)

Das Stimm- und Wahlrechtsalter wird nicht gesenkt. (Symbolbild)

Keystone

Dass 16-Jährige auf Gemeindeebene abstimmen und wählen können, gibt es bisher nur im Kanton Glarus. Und das wird vorläufig auch so bleiben. Die Chancen, dass der Kanton Solothurn in absehbarer Zukunft nachziehen wird beziehungsweise den Gemeinden diese Möglichkeit eröffnet, waren bis gestern intakt.

Dann kam der Kantonsrat auf seine exakt vor einem Jahr beschlossene Überweisung eines entsprechenden Auftrags und die vor zwei Monaten gefasste Zustimmung zu den entsprechenden Verfassungs- und Gesetzesbestimmungen zurück. Und versenkte das berechtigte Anliegen, hinter dem bemerkenswerterweise auch die Regierung stand, fast so knapp, wie es zuvor unterstützt worden war. Die Mehrheitsverhältnisse in der Mitte waren flottant.

Die Verweigerung ist kein staatspolitisches Drama, aber eine verpasste Chance für eine sanfte Aktivierung des Stimm- und Wahlrechts bei den Jungen. Es wäre auf die Gemeindeebene beschränkt gewesen. Die Einführung wäre fakultativ gewesen. Und die Jungen hätten zwar wählen dürfen, sich aber nicht selber wählen lassen. Wahrhaft eine Annäherung auf Samtpfoten an die demokratischen Rechte.

Nun bleibt alles, wie es ist. Das ist schade. Immerhin dürfen wir uns weiter darüber wundern, weshalb viele Junge politikverdrossen sind, bevor sie diese ausprobieren konnten.

balz.bruder@chmedia.ch