Persönlich
Was uns Odysseus zu sagen hat

Wolfgang Wagmann
Wolfgang Wagmann
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«Odysseus und Kalypso» in einem Werk von Arnold Böcklin, 1882.

«Odysseus und Kalypso» in einem Werk von Arnold Böcklin, 1882.

Martin P.Bühler/Kunstmuseum Basel

War Homer ein Hellseher? Jedenfalls entwarf der altgriechische Dichterfürst nach der Schilderung des trojanischen Krieges Sinnbilder, die in der heutigen Situation nachdenklich stimmen. Die Rede ist von Odysseus, dem Erfinder des Trojanischen Pferdes, der sich nach der Erstürmung Trojas auf den Heimweg machte – für eine Odyssee von zehn Jahren.

Eine seiner Prüfungen war die Passage einer tückischen Meerenge: Links holte sich das Ungeheuer Skylla sechs Männer vom Schiff, rechts riss der Strudel Charybdis dieses unweigerlich in die Tiefe. Odysseus steuerte es hart in diese Richtung, verlor aber dennoch sechs Mann. Den Untergang der ganzen Besatzung konnte er aber gerade noch vermeiden.

Steuern wir auf Charybdis zu und hoffen, doch durchzukommen? Nun, einige Opfer hat sich Skylla bereits geholt. Doch noch sind wir nicht fertig mit Odysseus. Seine Mannschaft lagerte später auf einer Insel, wo heilige Rinder des Sonnengottes Helios grasten. Odysseus hatte seine Männer angewiesen, keines der Tiere anzurühren. Einen Monat lang blieb die Crew diszipliniert, ernährte sich von den Vorräten. Dann schlachteten sie ein Rind. Die Götter schickten das Schiff auf der Weiterfahrt in die Tiefe des Meeres. Nur Odysseus überlebte. Was lernen wir daraus?

wolfgang.wagmann@chmedia.ch