Land-Schreiber
25 Zentimeter machen den Unterschied zwischen Himmel und Hölle aus

Die geplante Übernahme der Waldenburgerbahn durch die BLT verstärkt die Ängste der Dampfbahnfreunde, dass die Spurverbreiterung von 75 Zentimeter auf 1 Meter unausweichlich ist. Blickt man über die Grenzen, erscheint der ganze Streit anachronistisch.

Bojan Stula
Bojan Stula
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Vermutlich keine Alternative: Die japanische Magnetschwebebahn Maglev.

Vermutlich keine Alternative: Die japanische Magnetschwebebahn Maglev.

KEYSTONE

Wunderbare neue Mobilitätswelten tun sich auf, wenn man diese Woche die Berichterstattung in den Medien verfolgt hat: In Japan hat die Magnetschwebebahn Maglev auf einer Testfahrt 603 km/h erreicht, was Weltrekord bedeutet. Die Magnetschwebebahn, die Konkurrenz zum deutschen Transrapid, soll 2027 Tokio mit der Industriestadt Nagoya verbinden und die 352 Kilometer Entfernung in 40 Minuten schaffen. Das entspricht ungefähr der Strecke Basel– Mailand, wofür die SBB aktuell mindestens vier Stunden benötigen.

Ebenso vielversprechend ist folgende Meldung: ETH-Forscher sind zuversichtlich, dass bereits in wenigen Jahren die fliegende Auto-Drohne für jedermann ab Stange zu haben ist. Das EU-Forschungsprojekt «My Copter», an dem die Zürcher mitarbeiten, bereitet die entsprechenden Grundlagen vor; und Flugsicherungsexperten dürfen sich bereits jetzt den Kopf darüber zerbrechen, ob die künftige Verkehrsführung entlang von Luftstrassen oder querluftein erfolgen soll. Was es auch sein wird: Dass sich vielleicht schon 2030 ein Grossteil des motorisierten Individualverkehrs von der Strasse auf 20 bis 50 Meter über den Boden verlagern wird, scheint bereits jetzt sicher zu sein.

Mit der Luftseilbahn zum Bahnhof SBB

Gleichzeitig propagiert ein anderes Forscherteam den verstärkten Einsatz von Luftseilbahnen zur Behebung von Verkehrsengpässen im städtischen Bereich und der Agglomeration. Wer die Transportkapazität, den Komfort und die geräuscharme Betriebsführung von Hochleistungsbahnen in Skigebieten erlebt hat, wundert sich schon lange darüber, weshalb dieses Transportmittel nicht auch im horizontalen Nahverkehr Einzug gehalten hat. Alleine die Vorstellung, statt des teuren Margarethenstichs eine coole Gondelbahn von Therwil via Zolli zum Bahnhof SBB zu bauen, lässt Pendler- wie Touristenherzen höherschlagen.

Diese Mischung aus Neuentwicklung und neuen Einsatzmöglichkeiten für bewährte Technologien zeigt uns vor allem eins: Technisch bringt uns bereits die allernächste Zukunft weitaus mehr Möglichkeiten, als bloss wieder für viel Geld den nächsten Strassen- oder Schienenstrang unter die Erde zu legen; oder oberirdisch neben bereits bestehende Linien zu quetschen. Das erleichtert zwar nicht die Aufgabe der Verkehrsplaner, die für hier und jetzt Lösungen für die ausgelasteten Verkehrswege finden müssen. Aber als öffnende Perspektive im Hinterkopf sind solche Visionen allemal nützlich.

Entscheidungsschlacht um Spurverbreiterung

Derweil macht man im Waldenburgertal die Zukunft des öffentlichen Verkehrs von der 113 Jahre alten Dampflokomotive Gedeon Thommen abhängig. Nur mit der Beibehaltung der heutigen Spurweite von 75 Zentimetern könne sie auch weiterhin für Nostalgiefahrten eingesetzt werden, argumentieren die Dampfbahn-Freunde. Unter dem wahlkampfwirksamen Einsatz von viel Baselbieter Politprominenz rüsten sich Nostalgiebähnler für die Entscheidungsschlacht im ewigen Zank um die Spurverbreiterung der Waldenburger Bahn. Aufgeschreckt durch die aufgegleiste Übernahme der WB durch die BLT sehen die Dampfbahnfreunde bereits den Umbau auf die Meterspur auf sich zurasen.

Wir alle lieben die «Gedeon Thommen», und vielleicht ist sie tatsächlich die Identitätsstifterin des Tales. Aber aus den 25 Zentimetern eine Frage von Leben und Tod zu machen, und von vornherein alle Alternativen zu verwerfen (meine Lieblingsidee: eine touristische Dampfbahnstrecke Bad Bubendorf–Augusta Raurica), erscheint dann doch etwas anachronistisch. Wann, wenn nicht jetzt, böte sich die Gelegenheit, für die WB eine zukunftsträchtige Lösung zu finden. Wobei die Magnetbahn Maglev zugegebenermassen keine Alternative ist. Selbst wenn sie für die Strecke Waldenburg–Liestal bloss 63,1 Sekunden benötigen würde.

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