Mein Leben im Dreiland

Alkohol am Velolenker: Ab der Grenze schiebe ich

Beim Autofahren ist klar: Die Promillegrenze liegt bei 0,5. Dies gilt in Frankreich und Deutschland genauso wie in der Schweiz. Unterschiedlich sind die Regelungen jedoch im Umgang mit betrunkenen Velofahrern.

Peter Schenk
Drucken
Teilen
Mit dem Velo statt mit dem Auto in den Ausgang? Kommt drauf an, in welchem Land.

Mit dem Velo statt mit dem Auto in den Ausgang? Kommt drauf an, in welchem Land.

Als ich vor etlichen Jahren im südbadischen Müllheim gewohnt habe, war ein Polizist unter meinen Bekannten. In einer feuchtfröhlichen Runde erzählte er, dass sie bei einem Fest auf der Wache versucht hätten, so viel Bier zu trinken, bis das Alkoholmessgerät ausschlägt. Sie hätten es nicht geschafft. Die Grenze lag damals noch bei 0,8 Promille. Ich vertrage nicht viel und wahrscheinlich hätte ich selbst die 0,8 Promille schnell erreicht.

Heute liegt die Promillegrenze in allen drei Ländern bei 0,5, und das ist auch gut so, finde ich. Wenn ich etwas trinke, fahre ich deshalb lieber mit dem Velo als mit dem Auto in die Beiz. Auch das kann allerdings unangenehme Konsequenzen haben, was mir lange Zeit gar nicht klar war. Dabei sind die Unterschiede je nach Land erheblich, und der Kanton Basel-Stadt ist mit Abstand am strengsten.

Während es in Deutschland und der Schweiz klare Grenzwerte gibt, besteht laut der Gendarmerie in Frankreich überhaupt keine Promillegrenze für Velofahrer. Wer allerdings sinnlos betrunken durch die Gegend fährt und der Polizei auffällt, kann dafür auch vor Gericht kommen. Das ginge dann bis zum Entzug des Fahrausweises, was aber sehr selten vorkomme.

In Deutschland liegt die Grenze für die absolute Fahruntüchtigkeit für das Velo bei 1,6 Promille. «In diesem Fall wird auch die Fahrerlaubnis entzogen. Zum Strafmass kann ich Ihnen keine Auskunft geben, dies ist Sache des Gerichts», teilt die Medienstelle der Freiburger Polizei mit. Wer die 1,6 Promille nicht erreicht hat, und dafür muss man nun wirklich reichlich gebechert haben, braucht bei den badischen Nachbarn keine Angst vor Strafe haben. Im Unterschied zum Autofahrer gibt es den Grenzwert von 0,5 Promille für den Radfahrer nicht. Er braucht sich keine Sorgen machen, wegen einer Ordnungswidrigkeit eine Busse zu erhalten.

Wie in Südbaden verliert ein Velofahrer in Basel seinen Fahrausweis, wenn er bei einer Alkoholkontrolle als Velofahrer einen Wert von 1,6 Promille und mehr ausweist. Dann aber fangen die Unterschiede mit den Nachbarn schon an. So wird in Basel «das Führen eines Fahrrades in angetrunkenem Zustand (ab 0,5 Promille) mit Busse bestraft», teilt die Medienstelle der Basler Polizei mit. Dabei sieht das Gesetz keine nach Promille gestaffelten Strafen vor», heisst es weiter. Die Höhe der Sanktion werde im Einzelfall aufgrund der konkreten Tatumstände festgelegt.

Und wie sieht es mit der Kontrolle aus? Aus Freiburg heisst es: «Eine systematische Kontrolle von Radfahrern auf Alkohol erfolgt nicht. Meist erfolgen die Kontrollen nach auffälligem Fahrverhalten, Stürzen oder Unfällen mit anderen Verkehrsteilnehmern.» Anders tönt es bei der Basler Kantonspolizei. Sie kündigt für die kommenden Wochen und Monaten gezielte Kontrollen auch unter Velofahrern an. Begründet wird dies damit, dass die Anzahl der Unfälle von alkoholisierten Velofahrern zugenommen habe. Nach 15 im Jahr 2013 war sie 2014 mit 14 immer noch auf hohem Niveau.

Welches Fahrzeug es auch sei, es gelte der Grundsatz «Wer trinkt, fährt nicht.» Ähnlich äussern sich die Freiburger Kollegen. Im Extremfall gelte der Verzicht auf Alkohol auch für Fussgänger, «die stark alkoholisiert vor ein Fahrzeug torkeln oder nachts auf der Strasse stürzen und danach überfahren werden können.» Da es so weit bei mir glücklicherweise noch nie gekommen ist und wohl auch nicht kommen wird, habe ich mich für eine andere Lösung entschieden. Ich fahre künftig in Weil am Rhein, Saint-Louis oder Huningue mit dem Velo bis zur Grenze und den Rest der Strecke schiebe ich. Ich hoffe, dass es dafür keine Promillegrenze gibt.