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«Alles in allem» ist eben nicht alles

Die Personenfreizügigkeit mit der EU ist gut für die Wirtschaft. Doch diejenigen, die trotzdem auf der Strecke bleiben zu ignorieren, kann gefährlich sein.
Sasa Rasic
Autoren-Porträts Sasa Rasic

Autoren-Porträts Sasa Rasic

«Alles in allem hat die Schweizer Wirtschaft klar profitiert von der Verfügbarkeit von Arbeitskräften aus der EU», sagt Boris Zürcher vom Staatssekretariat für Wirtschaft Seco im Interview mit unserer Zeitung (siehe Seite 3). Auch sei es durch die Personenfreizügigkeit mit der EU zu keinem «Verdrängungswettbewerb» auf dem Schweizer Arbeitsmarkt gekommen.

Gute Nachrichten für einmal, könnte man nun sagen und sich zurücklehnen. Doch man fragt sich, wieso bei vielen trotz «Good News» ein flaues Gefühl zurückbleibt. Es gibt keinen Grund, an den Zahlen des Seco zu zweifeln. Wahrscheinlich liegt es vielmehr an der Präsentation. Wer seinen Job verliert und Mühe hat, einen neuen zu finden, wird in der Regel keinen Trost in der Statistik finden. Für viele kann sie sogar ein Affront darstellen – im Sinne von «die Zahlen zeigen, dass dein Problem gar kein Problem ist», Diskussion beendet. Auch wenn am Schluss viel wahrscheinlicher Phänomene wie Automation und Digitalisierung statt Migration für die eigene Arbeitslosigkeit verantwortlich sind, erreicht man mit diesem Vorgehen kaum das Ziel, mit Fakten zu überzeugen.

Die Betroffenen in einem Land wie der Schweiz – wo die Bürger nicht nur alle vier Jahre etwas in der Politik zu sagen haben – zu ignorieren, kann sich rächen. Ausser man findet als Politiker Gefallen daran, nach einem Abstimmungssonntag immer wieder spekulieren zu müssen, wieso es mit dieser oder jener doch ach so vernünftig ausgearbeiteten Vorlage nicht geklappt hat.

Mit etwas Voraussicht – und manchmal dem simplen Ernstnehmen einzelner Bürger – könnte man gewisse Probleme aus der Welt schaffen, bevor sie überhaupt entstehen. Denn am Schluss gilt: Egal ob Gewinner oder Verlierer der Entwicklung, jeder hat an der Urne eine Stimme. Und Personen, bei denen alles wie am Schnürchen läuft, spüren oft auch weniger Druck, überhaupt abstimmen oder wählen zu gehen. Am anderen Ende des Spektrums sieht es anders aus, dort ist der Urnengang meistens eines der letzten Mittel, um – umgeben von lauter Wohlstand, von dem man am Schluss nichts hat – überhaupt wieder einmal gehört zu werden.

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