Kommentar
Am Klumpenrisiko zerbrochen: 71 Urner verlieren ihre Stelle

Das Industrieunternehmen Berghoff kündigt die Schliessung in Altdorf an. Das wirft Fragen auf.

Florian Arnold
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Jahrzehnte war kaum etwas so sicher wie ein Arbeitsplatz in der Munitionsfabrik Altdorf (MFA). Als Bundes­angestellter musste man sich keine Sorgen um die Wirtschaftlichkeit machen. Mit den Namenswechseln von MFA zu «Swiss Munition» (SM) und später zur «Rüstungsunternehmen AG» (Ruag) änderten sich die Voraussetzungen. In den 2000er-Jahren wurden die Anlagen mit grossen Investitionen für die Privatwirtschaft fit gemacht. Und das Unwetter 2005 wurde als Chance genutzt, einen der modernsten Betriebe Europas aufzubauen. Nichts als logisch, dass die rüstungsfremden Teilbereiche schliesslich komplett privatisiert wurden und das Beamtentum definitiv Geschichte war. Mit der Übernahme der deutschen Berghoff Gruppe ging es auf das internationale Parkett. Der Anfang vom Ende?

Die Zahlen sprechen eine andere Sprache, schrieb die Berghoff Mechanical Engineering AG doch 2019 bis zum 3. Quartal Gewinne in Millionenhöhe. Auch Know-how und Leistungswille spricht den Urnern niemand ab. Umso mehr Fragen wirft auf, dass das Schicksal von 71 Mitarbeitern – davon 11 Lernenden – an einem einzigen Hauptkunden hängt, auch wenn die Branche zurzeit in der Krise stecken mag. Wurde dieses Klumpenrisiko nie hinterfragt? Es bleibt zu hoffen, dass eine Anschlusslösung für die Hallen gefunden wird. Daran hat auch die Vermieterin Ruag ein Interesse. Bisher wurde diese aber nur brieflich über die Kündigung des Mietvertrags informiert.