Kommentar

Banken trotzen der Krise – doch für Entwarnungsrufe ist es zu früh

Laut Beobachtern steigt das Risiko einer Überhitzung des Immobilienmarktes. Gerade für Regional- und Kantonalbanken, die viele Hypothekarkredite halten, könnte es mit zunehmender Dauer der Krise eng werden.

Gregory Remez
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Gregory RemezStv. Ressortleiter Wirtschaft

Gregory Remez
Stv. Ressortleiter Wirtschaft

Während grossen Teilen der Wirtschaft aktuell die Umsätze wegbrechen, kommt der Bankensektor bisher gut durch die Krise. In dieser Woche haben die ersten Zentralschweizer Kantonalbanken begonnen, ihre Halbjahresbilanzen vorzulegen. Diese erweisen sich als überaus solid. So verzeichnet die Nidwaldner Kantonalbank nur einen leichten Gewinnrückgang, bei der Zuger Kantonalbank liegt der Gewinn gar auf Vorjahresniveau. Auch mit Blick auf das restliche Jahr sind die Prognosen vorsichtig optimistisch.

Nicht umsonst hat die Ratingagentur Moody’s den Ausblick für das Schweizer Bankensystem jüngst erneut als «stabil» eingestuft – mit Verweis auf dessen gute Verfassung.

Das gute Attest für den Schweizer Finanzplatz mitten in einer Pandemie zeigt, dass sich die Reformen nach der Finanzkrise – bessere Kapitalisierung, höhere Liquiditätspuffer – gelohnt haben. Waren die Kreditinstitute in früheren Krisen oft das schwache Glied, stellten sie diesmal wichtige Systempfeiler dar, etwa indem sie die Hilfsgelder des Bundes in die Realwirtschaft pumpten.

Nichtsdestotrotz wäre eine Entwarnung in der aktuellen Situation verfrüht. Denn neben den drohenden Kreditausfällen durch Firmenpleiten sehen Beobachter schon das nächste Problem am Horizont aufziehen: das steigende Risiko einer Immobilienkrise. Sie verweisen dabei insbesondere auf die als erheblich eingestuften Konzentrationsrisiken der Regional- und Kantonalbanken bei Immobiliendarlehen. Diese könnten, je länger die Krise dauert, zur Hypothek werden.

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