Kommentar

Das elektronische Patientendossier: Ein risikobehaftetes Experiment

Bald kann jeder Schweizer ein elektronisches Patientendossier eröffnen und seine Gesundheitsdaten darin zentral ablegen. In ihrem Kommentar zeigt Redaktorin Evelyne Fischer die Tücken der digitalen Akte auf.

Evelyne Fischer
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Evelyne Fischer

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Es ist ein Meilenstein für das Schweizer Gesundheitswesen: Ab April wird das elektronische Patientendossier (EPD) eingeführt. In der digitalen Akte werden von hiesigen Akutspitälern, psychiatrischen Kliniken und Reha-Kliniken etwa Medikamentenlisten, Röntgenbilder oder Impfausweise abgelegt. Sie sind fortan abrufbar, Tag und Nacht, in jeder Ecke der Welt.

Die gute Nachricht vorweg: Die Zentralschweizer Spitäler und Kliniken sind für diesen Schritt gewappnet. Die schlechte Nachricht: Seinen vollen Nutzen wird das Patientendossier noch lange nicht entfalten können.

Ein Grund dafür: die unvollständige Behandlungslinie. Pflegeheime und Geburtshäuser sollen sich zwar bis April 2022 anschliessen. Für Hausärzte oder Spitex-Organisationen bleibt die Teilnahme aber freiwillig. Schwierig ist weiter: Was im Dossier abgelegt wird, ist nirgends einheitlich geregelt. Jede Gesundheitsfachperson entscheidet selber, was sie als behandlungsrelevant einstuft und somit hochlädt. Kritiker befürchten gerade bei Chronischkranken mit einer umfangreichen Leidensgeschichte eine regelrechte Datenflut.

Der gläserne Patient ist nicht zuletzt in Sachen Cyberkriminalität ein Risiko: Gesundheitsangaben sind wertvolle Daten. Gelangen sie in die falschen Hände, werden Patient und Klinik schnell erpressbar. Mit Blick auf den Marschhalt beim E-Voting bleibt zu hoffen, dass beim EPD der Schutz vor Hackern gewährleistet ist. Ein betroffenes Spital hätte bei einem Angriff mehr als nur einen teuren Imageschaden zu befürchten. 

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