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Kommentar

Der arme Filippo und die Entlein im See

Chefredaktor Stefan Schmid schreibt in seinem Leitartikel über die Muskelspiele der Zürcher Sozialdemokraten und wie sie es dennoch nicht fertig bringen, ein adäquates Fussballstadion zu bauen.
Stefan Schmid
Stefan Schmid, Chefredaktor St.Galler Tagblatt.

Stefan Schmid, Chefredaktor St.Galler Tagblatt.


Aus der Limmatstadt ereilten uns diese Woche zwei Meldungen, die interessierte Bürger auch diesseits von Winterthur nicht kaltlassen: Einerseits sägte die mehrheitlich linke Stadtregierung den landesweit bekannten FDP-Stadtrat Filippo Leutenegger nach allen Regeln der machiavellistischen Politkunst ab. Der ehemalige «Arena»-Dompteur wurde vom einflussreichen Tiefbau- ins weniger illustre Schuldepartement zwangsversetzt, weil er sich die Freiheit herausnahm, die Velopolitik der rot-grünen Parteien nicht bolzengerade umzusetzen. Der dergestalt Malträtierte begehrte laut auf und prangerte die Machtpolitik der rot-grünen Mehrheit an.

Andererseits brachte die SP in der seit Jahren hängigen Stadionfrage zum wiederholten Mal einen Vorschlag ins Spiel, wie ein neues Fussballstadion auf dem Hardturm-Areal zu realisieren sei. Die Genossen wollen neuerdings den Bau von zwei Hochhäusern verhindern, obwohl dieser eine zwingende Voraussetzung für das finanzielle Engagement privater Investoren ist. Ohne eine attraktive Mantelnutzung keine neue Sportstätte. Der SP-Vorschlag läuft deshalb darauf hinaus, den Stadionbau zu sabotieren. Dass die Stadt Zürich die Millionenauslagen alleine stemmen würde, ist unrealistisch. Eine entsprechende Vorlage hat das Volk 2013 abgelehnt.

Die unterhaltsame Komödie, wie die grösste Stadt der Schweiz endlich zu einem adäquaten Fussballstadion kommt, ist um einen Akt reicher. Die Gefahr ist gross, dass GC und FCZ noch lange in dem für Fussballspiele ungeeigneten Letzigrund-Stadion kicken müssen. Das ist peinlich genug und bedarf keines ostschweizerischen Mitleids, auch wenn wir solches durchaus verspüren.

Politisch interessanter sind freilich die Muskelspiele der Sozialdemokraten. Sowohl in der Sach- als auch in der Personalpolitik treten die Sozis nach ihrem Wahlsieg vom 4. März auf wie Cäsar im alten Rom. Das Gebaren mag auf sanfte Gemüter befremdlich wirken. Und es ist im Falle Filippo Leuteneggers bedauerlich, dass ein talentierter Politiker kalkuliert abserviert wird. Doch Politik ist kein Ponyhof, selbst in der konkordanten Eidgenossenschaft nicht. Klar, die Parteien teilen sich die Macht in vielen Exekutiven freiwillig auf. Und gewiss, der Wille zur Zusammenarbeit ist ausgeprägter als andernorts. Doch machen wir uns nichts vor: Was in Zürich passiert, geschieht in kleineren Kantonen schon lange. Eine oder zwei (in der Regel) bürgerliche Parteien dominieren, für die (linke) Opposition bleiben die Brosamen. Je kleinräumiger die Struktur, desto ausgeprägter die parteipolitische Monokultur – Innerrhoden oder das Oberwallis lassen grüssen. Ungewöhnlich ist daher höchstens, dass in einer grossen Kommune wie Zürich eine einzige Partei so dominant werden konnte.

Für das Land ist das weder gut noch schlecht. Die Zürcher haben jene Politiker, die sie verdienen – sie haben sie ja auch gewählt. Wenn diese Politiker kein neues Stadion wollen, dann dürfen die Zürcherinnen diese Damen und Herren in vier Jahren gerne wieder abwählen, so ihnen der FCZ oder GC am Herzen liegen. So einfach funktioniert die Demokratie, wenn man sich denn nur daran beteiligt.

Sorgen bereiten müssen uns nicht primär die Machtspiele der Parteistrategen oder die Polarisierung, die zu Unrecht ständig beklagt wird. Dramatischer ist das allgemeine Desinteresse an der Politik. In Zürich haben sich nur 44 Prozent an die Urnen bequemt. Mehr als der Hälfte war egal, wer in ihrer Stadt das Sagen hat. Sie gingen am 4. März an der Seepromenade wohl Entlein füttern. Es ist nicht bekannt, ob sich diese 56 Prozent über die Versetzung von Filippo Leutenegger oder die Stadionpolitik der SP aufregen. Es ist auch nicht relevant. Sie hätten die Chance gehabt, den Lauf der Dinge zu beeinflussen.

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