Eishockey-Nati

Der Trainer ist nur noch eine Marionette

Die Schweizer Eishockey-Nati erfüllte an der WM mit dem Erreichen des Viertelfinals das gesteckte Minimalziel. Man muss sich unabhängig vom Abschneiden jedoch fragen, in welche Richtung sich das Projekt «nationale Auswahl» in Zukunft entwickeln soll.

Marcel Kuchta
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Brauchen wir heute noch einen vollamtlichen Nationaltrainer wie Glen Hanlon?

Brauchen wir heute noch einen vollamtlichen Nationaltrainer wie Glen Hanlon?

Keystone

Die Nationalmannschaft hat im Vergleich zum Klub-Eishockey weiter an Stellenwert eingebüsst. Mit dem Schweizer Cup und der Champions Hockey League wurde das Pensum der Vereine durch zwei zusätzliche Wettbewerbe noch umfangreicher. Mit der Folge, dass Nationaltrainer Glen Hanlon bei seinen drei Nationalmannschaftsterminen regelrechte Eiertänze aufführen musste, um eine einigermassen schlagkräftige Equipe auf die Beine stellen zu können.

69 Spieler durften sich am Ende dieser Saison als Nationalspieler bezeichnen lassen. Das sind, auch wenn die Basis der guten Spieler in der Schweiz in den letzten Jahren grösser wurde, viel zu viele und vermittelt auch in der Aussenwahrnehmung den Eindruck, dass aus der Nationalmannschaft eine Jekami-Truppe (Jeder kann mitmachen) geworden ist.

Schuld daran sind in erster Linie die Klubs, die ihre starke Position innerhalb des Verbandes dazu ausnützen, ihre Vorstellungen knallhart durchzusetzen und ihre Spieler quasi nur noch nach Wunsch freigeben. Man kann natürlich sagen: Das ist ihr gutes Recht. Schliesslich zahlen sie die mehrheitlich hohen Löhne der Spieler. Schliesslich leiden sie darunter, wenn sich ein Spieler in der Nationalmannschaft verletzt. Und: Sie haben keinen direkten kommerziellen Nutzen durch eine erfolgreiche Nati. Im Gegenteil: Die Saläre der Spieler steigen durch gute Leistungen auf internationaler Ebene eher noch an.

Zwei Grundsatzentscheide

Unter den gegebenen Umständen muss man sich zwei grundsätzliche Fragen stellen: 1.) Braucht es noch drei offizielle Länderspieltermine während der Meisterschaft? 2.) Braucht es noch einen vollamtlichen Nationaltrainer? Zur ersten Frage: Die Antwort ist ganz klar nein.

Zwei würden genügen – und zwar jener im November, den man zur Sichtung junger WM-Kandidaten nutzen kann. Und jenen im Dezember, welcher mit einer möglichst WM-tauglichen Mannschaft bestritten werden sollte – und zwar ohne Rücksicht auf die partiellen Interessen der Klubs. Streichen könnte man getrost den Februar-Termin. Wenige Wochen vor dem Beginn der Playoffs will kein Klub mehr die Verletzung eines Leistungsträgers riskieren. Was in diesem Fall sogar nachvollziehbar ist.

Zur zweiten Frage: Auch hier lautet die Antwort ganz klar nein. Die Position des Nationaltrainers wurde in den letzten Jahren systematisch geschwächt. Während Ralph Krueger (1997 bis 2010) kraft seines Amtes noch in der Lage war, seine Interessen mehrheitlich durchzusetzen, begann schon unter Sean Simpson (2010 bis 2014) die Machtverschiebung in Richtung der Klubs.

Warum nicht Arno Del Curto?

Der aktuelle Nationalcoach, Glen Hanlon, ist nun endgültig eine Marionette geworden. Das tönt böse, ist aber letztlich so und soll kein Vorwurf gegen den Kanadier sein. Er musste mit den Rahmenbedingungen klarkommen, die ihm gesteckt wurden. Aber unter diesen Bedingungen macht das Modell des vollamtlichen Nationaltrainers ganz einfach keinen Sinn mehr.

Die Lösung? Eine starke Trainerfigur innerhalb der NLA kann diesen Job im Nebenamt erledigen. Nur falsche Eitelkeit, politische Ränkespiele und irrationale Ängste hindern die Klubs daran, einen Mann wie Arno Del Curto an einem WM-Turnier an die Bande zu stellen.

Warum nicht vor der Saison ein Triumvirat zusammenstellen, welches die Geschicke des Nationalteams leitet? Warum nicht mit Kevin Schläpfer, Patrick Fischer und Del Curto drei der besten Trainer des Landes mit dieser Aufgabe betrauen? Es würde das einheimische Schaffen fördern, wäre die ehrlichste Variante und um ein Vielfaches günstiger als die aktuelle. Das gesparte Geld könnte man bestens in die Löhne der Nachwuchstrainer investieren.