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Kommentar

Fall Khashoggi: Die Ausrede
stört mehr als das Gesagte

Ueli Maurer laviert in seiner Haltung zu Saudiarabien und dem Mordvorwurf
im Fall Khashoggi. Der Bundespräsident würde es besser stehen zu seiner wirtschaftsorientierten Pragmatik zu stehen.
Sasa Rasic Leiter «Zentralschweiz am Sonntag»

Ein Hin und Her ist es, seit er mit seinen Äusserungen am WEF für einige hochgezogene Augenbrauen gesorgt hat. In einer Manier, welche an seine saloppe Interview-Absage von 2015 erinnert, hat Bundespräsident Ueli Maurer den Fall um den in einem saudiarabischen Konsulat ermordeten Journalisten Jamal Khashoggi ad acta gelegt. Aus «Kä Luscht» wurde quasi das etwas eloquentere «Angelegenheit schon lange abgehakt». Nach ersten Bekräftigungen sah sich Maurer gestern doch falsch verstanden und präzisierte, dass er mit der Äusserung auf sein Gespräch mit dem saudischen Finanz­minister Bezug genommen habe. Die Äusserung sollte man Maurer nicht ewig nachtragen. Seine ursprüngliche Haltung zum Thema wird wohl auch von einem nicht unterschätzenden Teil der Bevölkerung mitgetragen. Wenn man nicht persönlich mit Namen hinstehen müsste, würde man auf die Frage, wie viele potenziell gefährdete Arbeitsplätze ein toter, saudiarabischer Journalist am Schluss wert ist, erstaun­liche Zahlen erfahren. Stossender ist da fast schon die neue, ziemlich fadenscheinige Ausrede. Sie nagt am sonst äusserst authen­tischen Image Maurers. Die Methode des aktuellen US-Präsidenten hätte hier besser ausgesehen. Ohne grosse Umschweife hat Donald Trump seine Haltung zum Thema frei zitiert etwa so zusammengefasst: «Schlimme Sache, aber denkt an mein geplantes Milliardenrüstungsgeschäft mit Saudi-Arabien.» Egal, wie zynisch es wirken mag, es ist immer besser zu wissen, woran man bei den eigenen Politikern ist.

Wenn die Lage düster ist und sich die Welt leider doch so herausstellt, wie man sie insgeheim befürchtet, sollte man einen Schritt zurück machen, die Ansprüche runterschrauben und sich auf das wenige Positive konzentrieren. Auch wenn man dabei nicht immer Zuspruch erntet. Dazu gehört, dass wir über die Jahrhunderte betrachtet immerhin eine Besserstellung erreicht haben. Früher wendete man den Blick vom schmachvollen Verhalten der Adligen, Vögte und anderen Obrigkeiten ab, um nicht selber in die Willkür der Autoritäten zu geraten. Heute müssen wir ihn nur abwenden, wenn wir wollen, dass Könige, Prinzen und Kronprinzen auch weiterhin brav unsere Waren kaufen.

Sasa Rasic

Sasa Rasic

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