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Gastkommentar

Die CVP als Trendsetterin

Kabarettistin Patti Basler wirft einen vertiefenden Blick auf die umstrittene Wahl-Kampagne der Christlichdemokratische Volkspartei.
Patti Basler
(Bild: Anthony Anex/Keystone)

(Bild: Anthony Anex/Keystone)

Patti Basler.Autorin und Kabarettistin. Die studierte Erziehungswissenschafterin erhielt 2019 den Salzburger Stier und den Prix Walo (Comedy).

Patti Basler.
Autorin und Kabarettistin. Die studierte Erziehungswissenschafterin erhielt 2019 den Salzburger Stier und den Prix Walo (Comedy).

Gesponserte Anzeigen bei Google! Himmel Herrgott! Werden Kandidierende anderer Parteien gesucht, zeigt die Suchmaschine zuerst eine Website der CVP. Lüge! Betrug! Leibhaftiger!

Was meint nun die Konkurrenz? Die einen winken mit Nonchalance ab: Das sei nicht ihr Stil. Das müsse halt jede Partei selbst wissen. Andere ärgern sich über diese neue Stillosigkeit. Ausgerechnet von jener konservativen Seite, von der man es nicht erwartet hätte. Bisher traute man der CVP knapp zu, ihre E-Mails zu checken. Oder den Smart-Spider auszufüllen, dieses Polit-Tinder-Profil für Wahlkampf-Willige. Der Wertekatalog der CVP, dachte man bis anhin, sei auf Steintafeln geritzt und werde mosaisch vom Berg gepredigt. Doch nun begibt sich die Partei in die Tiefen des Digi-Tals. Hinunter zum goldenen Kalb ins Silicon Valley wie Adam und Eva nach dem Rauswurf aus dem Paradies. Denn Pfister, Binder, Ritter und Co. haben von der Frucht der Erkenntnis gekostet und gemerkt: Das Silicon Valley ist nicht das Dekolletee von Maria Magdalena (oder wie sie heute heisst: Kim Kardashian). Wenn man etwas teilen will, muss es nicht immer gleich das Meer sein, es reicht auch mal ein Inhalt auf Facebook. Ein Cookie ist keine Hostie und eine Firewall ist weder das Fegefeuer noch die brennende Stadtmauer von Jericho.

Dass eine christliche Partei ihr Geld lieber nach Santa Clara schickt als an hiesige Plakatier-Firmen, scheint dabei klar. Nach Mountain View, von wo man fast bis zur Firewall an der mexikanischen Grenze sieht.

Unklar bleibt allerdings, woher dieses Geld plötzlich kommt.

Vielleicht sind fleissige Parteizwerglein am Bitcoin-Schürfen. Oder die Partei erhielt Hilfe von der Nationalbank.

Denn die Anzeichen sind offensichtlich. Man nehme nur einmal die neue Hunderter-Note unter die Lupe: Da fliesst auf der einen Seite im güldenen Schein Wasser einen Kännel herunter, als wäre es Gold, das direkt vom Heiligen Berg ins Silicon Valley transportiert wird. Auf der anderen Seite sind Hände zu sehen, die an jene eines Bettlers erinnern. Mehr aber noch an jene von Katholiken die ihre Hände zum Empfang der heiligen Hostie ineinander legen. Kreuze hat es auf der Note mehr als man zählen kann. Ein CVP-oranger Balken, gleich einer priesterlichen Stola führt von den Händen zu der Zahl 100. Zehn Hunderter können eingetauscht werden gegen einen Tausender, auf dem die Hand dann zum Dank geschüttelt wird. Unterschrieben sind die Noten mit dem Namen des heiligen Flusses Jordan. Da bleiben doch keine Fragen mehr offen.

Die CVP ist möglicherweise Teil einer monetären Weltverschwörung.

Natürlich deutet auch alles andere darauf hin, dass diese Partei eine Trendsetterin ist. Der Ablasshandel mit CO2-Kompensationen, Junge Propheten wie Greta Thunberg, der Trend zur Krippe und sogar Crossfit, welches offenbar auch von Jesus inspiriert ist.

Wer den Trend nicht verschlafen will, sollte sich ein Beispiel an dieser Kampagne nehmen. Die Armee könnte dafür bezahlen, dass ihre Seite angezeigt wird, wenn man Zivilschutz googelt. Vielleicht würde das Nachwuchsproblem dann behoben. Argumente gibt es genug, um die Weicheier-Mentalität der Zivis zu entlarven und aus ihnen echte Kampfmaschinen zu formen. Militär ist wie dein Game. Nur analog. Lange warten, bis alles runtergeladen und aufgesetzt ist, ein paar mal schiessen und auf dem nächsten Level ist es auch nicht besser.

Wer nach einer Abtreibungsklinik sucht, könnte auf der Seite eines Schokoladenherstellers landen, der nicht nur gegen Abtreibung von Leder zieht, sonder tatsächlich Alternativen bietet: Pralinen gegen Presswehen. Schoko-Dragées gegen post-natale Depression. Warmi Schoggi für den Nachwuchs, der mit Gewalt gezeugt wurde. Wer Greta Thunberg googlet, bekommt die Schweizer Version: Grittli Niesen. Wer Wermuth googelt, dem wird als Alternative eine Flache Cassis angeboten. Allerdings googelt niemand Wermuth. Der ist digital versiert und verbreitet sich wie ein digitaler Wurm auf den Apple-Bildschirmen. Das kann er schon so gut wie die CVP. Die hohle Hand machen ebenfalls. Und predigen.

Doch predigen und betteln können sie alle. Amen.

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