Kommentar

Die Ehe für alle nimmt eine wichtige Hürde – und das ist gut so

Der Nationalrat hat am Donnerstag der Öffnung der Ehe für gleichgeschlechtliche Paare zugestimmt. Auch die umstrittene Samenspende für lesbische Paare will er erlauben. Das ist ein richtiger Schritt.

Maja Briner
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Auch homosexuelle Paare sollen eine Ehe eingehen können. Nach jahrelangen Diskussionen hat sich der Nationalrat am Donnerstag dafür ausgesprochen. Der Schritt ist richtig: Den Staat sollte es nicht interessieren, welches Geschlecht die Eheleute haben. Homosexuelle Paare sollen sich rechtlich genau gleich absichern können wie heterosexuelle. Die eingetragene Partnerschaft erfüllt diesen Anspruch nicht.

Ein Grossteil der SVP sowie ein Teil der CVP stellten sich gegen die Öffnung der Ehe. Sie argumentierten, es brauche für diesen Schritt eine Verfassungsänderung. Das aber ist eine faule Ausrede: Für Konservative ist die Ehe für alle ein Angriff auf die Institution «Ehe»; die Diskriminierung der Homosexuellen nehmen sie deswegen in Kauf. Die grosse Mehrheit des Nationalrats war aber der Ansicht, dass eine solche Diskriminierung abgeschafft gehört.

Heikler sind die Fragen zur Fortpflanzungsmedizin. Soll ein lesbisches Paar Zugang zur Samenspende erhalten? Der Nationalrat hat sich überraschend deutlich dafür ausgesprochen – und auch das ist gut so. Homosexuelle können genau so gute Eltern – oder schlechte – sein wie Heterosexuelle. Auch gibt es schon heute Regenbogenfamilien, der Weg über die Stiefkindadoption ist für sie aber steinig. Der Bundesrat wollte hier auf die Bremse treten und die Samenspende erst in einem nächsten Schritt erlauben. Nach jahrelangen Diskussionen um die Ehe für alle scheint es jedoch angebracht, nun wirklich gleiche Rechte zu schaffen – und nicht wieder eine spezielle Lösung für homosexuelle Paare.

Ethisch problematisch ist die Frage der Leihmutterschaft. Diese ist aktuell kein Thema, denn sie ist anders als die Samenspende in der Schweiz für alle verboten. Die Befürchtung von konservativer Seite, dass die Forderung als nächstes aufkommt, ist jedoch nicht von der Hand zu weisen. Nur: Das ist eine separate Frage – und kein Grund, die Ehe für alle abzulehnen.

Die klaren Mehrheiten im Nationalrat deuten darauf hin, dass die Ehe für alle und auch die Samenspende im Ständerat gute Chancen haben werden. Die Schweiz dürfte Ländern wie Deutschland, Frankreich und Irland folgen und die Ehe für gleichgeschlechtliche Paare öffnen. Das ist auch ein Signal: Homosexuelle haben die gleichen Rechte und Pflichten, Diskriminierung wird nicht toleriert.