Kommentar
Nach den Jugendkrawallen in St.Gallen: Das ist die hässliche Seite der Spassgesellschaft – Corona hin oder her

Jugendliche, die als einzige Botschaft «Corona kann uns mal» vor sich hertragen, zerkleinern quer durch die Gassen, was ihnen gerade in den Weg kommt. Ein Akt der Gewalt, auf den es unmissverständliche Antworten braucht.

Odilia Hiller
Odilia Hiller
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Verwüstung in der St.Galler Altstadt nach Ausschreitungen betrunkener Jugendlicher.

Verwüstung in der St.Galler Altstadt nach Ausschreitungen betrunkener Jugendlicher.

Bild: Ralph Ribi

Was am Freitagabend in der St.Galler Innenstadt geschehen ist, war ein angekündigtes Massenbesäufnis. Ausgeartet ist es in hemmungslose Gewalt und Zerstörungswut. Jugendliche, die als einzige Botschaft «Corona kann uns mal» vor sich hertragen, zerkleinern quer durch die Gassen, was ihnen gerade in den Weg kommt.

«Nehmen wir St.Gallen auseinander», heisst es in den einschlägigen Snapchat-Aufrufen. Während unbeteiligte Gewerbe- und Gastrobetriebe, die derzeit sowieso schon in ihrer Existenz bedroht sind, noch am Beheben der Schäden sind, stellt sich die Frage: Kann der Coronafrust der Jungen allein erklären, was passiert ist? Muss die Gesellschaft Verständnis haben für solche Auswüchse? Die Antwort: Nein. Aggression und Gewalt auf Kosten anderer – und sei es auf Kosten des öffentlichen Raums– sind inakzeptabel und müssen entsprechende Konsequenzen haben.

Die erdrückende Mehrheit der Jugendlichen verhält sich tadellos

Der Wunsch mehrheitlich Minderjähriger, endlich wieder «feiern» zu dürfen, in Ehren. Tatsache ist, dass sich die erdrückende Mehrheit der Jugendlichen tadellos an die für alle nervenaufreibende Pandemiesituation anpasst. Bei ihnen münden Frust, Wut und Langeweile – Gefühle, die jeder kennt – auch nicht in sinnlose Gewalt.

Noch schlimmer als die Erkenntnis, dass von Rauschmitteln aufgeputschte Ignoranten einmal mehr jede Selbstkontrolle vermissen lassen, sind jedoch Erwachsene, die es fertigbringen, sie auch noch zu beklatschen. Was zur Frage führt: Wo waren die Eltern?