Kommentar

Die Installation der Covid-App ist ein Akt der Solidarität

Wer seine zurückerlangten Freiheiten voll ausschöpfen will, der soll mit der Nutzung der App dazu beitragen, dass die Infektionswege nachvollzogen und unterbunden werden können. Nicht für sich selbst, sondern für die Mitmenschen.

Raffael Schuppisser
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Raffael Schuppisser

Raffael Schuppisser

Die Schweizerinnen und Schweizer wollten ihre Freiheit zurück. Der Bundesrat erhörte sie. Zuerst konnten Geschäfte und Bars wieder öffnen. Dann fiel auch die Sperrstunde, die Abstandsregel wurde von zwei auf eineinhalb Meter verkürzt und Veranstaltungen mit bis zu tausend Personen wieder erlaubt. Das Leben ist fast wieder so wie vor der Pandemie. Von einer Maskenpflicht im öffentlichen Verkehr sieht der Bundesrat im Unterschied etwa zu Deutschland und Italien ab. Er appelliert stattdessen an die Vernunft und die Freiwilligkeit.

Vernünftig ist es, freiwillig die Covid-App herunterzuladen. Sie ist eine technische Ergänzung zur herkömmlichen Rückverfolgung von Infektionen. Die App schlägt Alarm, wenn der Nutzer längere Zeit Kontakt mit einer angesteckten Person hatte. Dank einem raffinierten Verfahren der ETH ist es den Entwicklern gelungen, die Anonymität zu wahren – und so auch die US-Grosskonzerne Apple und Google von der Schweizer Technologie zu überzeugen.

Wer seine zurückerlangten Freiheiten voll ausschöpfen will, der soll mit der Installation der App dazu beitragen, dass die Infektionswege nachvollzogen und unterbunden werden können. Nicht für sich selbst, sondern für die Mitmenschen. Aus Solidarität. Bei einer Umfrage von Ende April gaben fast drei Viertel der Bevölkerung an, dies tun zu wollen. In den nächsten Wochen wird sich zeigen, wie sehr die Schweiz auch bei tiefen Fallzahlen noch zusammensteht.