Kommentar

Die Prämien steigen nur leicht – jetzt gilt es die rekordhohen Reserven anzuzapfen

Die Krankenkassenprämien steigen durchschnittlich um moderate 0,5 Prozent. Gleichzeitig sitzen die Versicherungen auf hohen Reserven. Statt diese freiwillig zurückzuzahlen, sollte dies verbindlich passieren.

Andreas Möckli
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Andreas Möckli, Wirtschaftschef Zentralredaktion

Andreas Möckli, Wirtschaftschef Zentralredaktion

Bild: Sandra Ardizzone

Entspannung an der Prämienfront: Aufgrund der moderaten Kostenentwicklung im Gesundheitswesen steigen die Krankenkassenprämien um 0,5 Prozent. Diese Zahl ist jedoch nur eine Orientierungsgrösse, fallen die Prämien in den einzelnen Kantonen und bei den einzelnen Versicherungen ziemlich unterschiedlich aus. Im Jura und Tessin etwa steigen die Prämien im Schnitt über 2 Prozent.

Dennoch sind dies insgesamt erfreuliche Nachrichten, wurden zuletzt die Prämien insbesondere für Familien immer zu einer grösseren Last. Gleichzeitig zeigt sich, dass die Reserven der Krankenkassen weitgehend unbemerkt massiv gestiegen sind: Sie sind von 3,1 Milliarden im Jahr 2010 auf heute rund 11 Milliarden Franken angeschwollen.

Mit ein wichtiger Grund für diese Entwicklung sind neben der vorsichtigen Prämienberechnung auch die steigenden Börsenkurse.

Bundesrat Alain Berset setzt auf Freiwilligkeit

Nichts gegen hohe Reserven, doch mittlerweile ist weitherum klar: sie sind zu hoch. Einzelne, aber eben längst nicht alle Versicherer haben bereits vor einigen Jahren damit begonnen, einen Teil ihrer Reserven an ihre Kunden zurückzubezahlen.

Ob und wie viel Geld der Einzelne erhält, ist für die Prämienzahler kaum vorhersehbar – und vom Goodwill der Kasse abhängig. Auch Gesundheitsminister Alain Berset hat wenig Freude an dieser intransparenten Vorgehensweise.

Es ist daher fast schon ironisch, wenn nun Berset vorschlägt, genau diesen freiwilligen Reserveabbau zu erleichtern. Gleichzeitig will er verhindern, dass die Kassen dies als PR-Massnahme missbrauchen. Ob das gelingt, ist fraglich.

Viel besser als Bersets Vorschlag wäre es deshalb, die Kassen zu einem Abbau der Reserven zu zwingen, falls das ihre finanzielle Situation zulässt. Verbindliche Regeln, an die sich alle Versicherungen halten müssten, wären für die Prämienzahler besser durchschaubar. Damit würden auch deutlich mehr Menschen profitieren als heute.