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Kommentar

Die Schwägalp-Lawine und der Klimawandel

Nach Hitze und Trockenheit im Sommer fällt im Winter unverhofft ausgiebig Schnee. Ist der Klimawandel damit gestoppt? Schön wär's.
Stefan Schmid
Stefan Schmid. (Bild: Benjamin Manser)

Stefan Schmid. (Bild: Benjamin Manser)

Endlich wieder einmal richtig Winter: Tausende Ostschweizerinnen und Ostschweizer erfreuen sich dieser Tage der weissen Pracht, die in Hülle und Fülle vom Himmel fällt. Die Kinder nutzen jeden Hang zum Schlitteln, die Skilifte unterhalb von 1000 Metern lassen ihre rostigen Motoren rattern, und in der Stadt St.Gallen ziehen Langläufer ihre Spuren mitten im Häuserwald. Wer spätnachts durch die tief verschneiten Gassen nach Hause schlendert, ist entzückt. Was für eine pittoreske Märchenlandschaft!

Des einen Freud, des andern Leid. Klemmende Bustüren, zugeschneite Parkplätze, vereiste Fahrbahnen verkomplizieren den Alltag vieler Menschen. Und Ereignisse wie die massive Lawine, die am Donnerstagnachmittag von der Säntisnordwand auf die Schwägalp gedonnert ist und das dortige Hotel arg in Mitleidenschaft gezogen hat, rufen uns in Erinnerung, wie mächtig die Natur sein kann. Die Lawine zeigt auch, dass wir mit dem Vorstoss der Zivilisation in unwirtliche Gegenden das Risiko bewusst herausfordern. Wer ein Hotel so nahe an eine steile Felswand baut, wie die Betreiber des Säntishotels auf der Schwägalp, muss mit Schadenereignissen rechnen. Der Mensch hat sich die Landschaft zu eigen gemacht, sie für sein Bedürfnis nach Ruhe und Erholung erschlossen. Das hat seinen Preis. Oder um es in den Worten von Bergsteiger-Legende Reinhold Messner zu sagen: «Gäbe es die Menschen nicht, wäre der Schnee kein Problem.» Zum Glück, das sei betont, haben auf der Schwägalp keine Menschen ihr Leben verloren.

Doch Frau Holle lädt nicht nur zum Philosophieren ein. Man kann mit ihr auch Politik machen. Rasch sind auf Twitter die Verharmloser der Klimaerwärmung zur Stelle, die den intensiven Schneefall zum Beweis für den nicht stattfindenden Klimawandel uminterpretieren. Vorwiegend jene rechtsbürgerlichen Politiker, die in der Dezembersession mitgeholfen haben, das CO2-Gesetz zu bodigen, machen sich über jede Schneeflocke lustig, die auf die Nase der Grünen fällt.

Klar, ein bisschen Humor wärmt die kalten Tage auf. Doch die Polemik ist aufgrund der erdrückenden Faktenlage lachhaft. Das vergangene Jahr 2018 war gemäss Klimatologen eines der wärmsten Jahre seit Beginn der Messungen Mitte des 19. Jahrhunderts. Im Dezember lagen die Temperaturen 1,5 Grad über dem langjährigen Mittel. Das Jahr 2018 war zudem, zumindest in der Ostschweiz, eines der trockensten. Das schliesst freilich in keiner Weise intensive Niederschläge im Winter aus. Im Gegenteil: Klimatologen sehen einen direkten Zusammenhang zwischen der Erderwärmung und der Zunahme von Starkniederschlägen. Da in der Atmosphäre mehr Energie vorhanden ist, regnet oder schneit es zuweilen intensiver. Dabei steigt jedoch die Schneefallgrenze im langfristigen Trend an. Die Anzahl Schneetage im Flachland nimmt deshalb seit geraumer Zeit ab.

So viel zu den klimatologischen Fakten. In einer Demokratie darf man sie ignorieren, so wie man ein CO2-Gesetz ablehnen oder Donald Trump zum Präsidenten wählen darf. Falsch liegt man trotzdem. Klar, Einzelereignisse soll man nicht überbewerten. Aber die Häufung von Wetterextremen lässt eben doch Rückschlüsse auf den Klimawandel zu. Natürlich kann es auch in wärmeren Zeiten kalte Winter geben, so wie es früher, in kühleren Zeiten, mitunter heisse Sommer gab. Petrus ist ein launiger Kerl. Insofern ist die aktuelle Wetterlage nichts Besonderes. Es ist Januar. Und im Januar schneit’s gerne mal. Oder wie Komikerlegende Emil dichtete: «Im Januar im Januar isch alles stiif und starr.» Gut möglich übrigens, dass es noch eine Weile so weitergeht mit tiefen Temperaturen und Schnee. Es würde zur Jahreszeit passen. Das wusste auch Emil: «Im Februar, im Februar isch immer no alles stiif und starr.» Nachhaltig beruhigend wäre das zwar noch nicht, aber immerhin saisongerecht.

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