Kommentar

Mordanschlag auf Irans General: Die Zeichen stehen auf Krieg

US-Präsident Donald Trump hat den iranischen General Kassem Soleimani mit einem Luftangriff töten lassen. Welche Folgen hat das? Der Kommentar. 

Thomas Seibert aus Istanbul
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Thomas Seibert

Thomas Seibert

Quelle: CH Media

Der Nahe Osten steht vor einem neuen Krieg, die Welt möglicherweise vor einer neuen Terrorwelle. Der iranische General Kassem Soleimani hatte zwar viel Blut an den Händen, aber seine Ermordung durch die USA dürfte noch mehr Leid über die Region bringen. Immer stärker zeigt sich, dass die Trump-Regierung den Iran nicht disziplinieren, sondern das Regime in Teheran enthaupten und letztendlich stürzen will. Der Mordanschlag bedeutet das Aus für alle Bemühungen, mit dem Iran auf dem Verhandlungsweg ins Geschäft zu kommen. Das internationale Atomabkommen mit Teheran ist wohl nicht mehr zu retten.

Der Anschlag auf Soleimani ist eine Zeitenwende, weil er eine Kriegserklärung an den Iran bedeutet. Die USA hätten den Kommandeur bereits in den vergangenen Jahren töten können, verzichteten aber darauf, weil sie die politischen und militärischen Folgekosten für zu hoch hielten. Dass Trump und seine chaotische Regierung jetzt aufgrund profunder Analysen zu einem anderen Ergebnis kamen, ist kaum anzunehmen. Wahrscheinlicher ist, dass der amerikanische Präsident den Einsatzbefehl aus dem Bauch heraus gab, weil er nach den demütigenden Angriffen auf die amerikanische Botschaft in Bagdad, bei denen Soleimani die Fäden zog, Stärke demonstrieren wollte.

Proteste in Pakistan: Muslime halten das Bild von Qasem Soleimani hoch.

Proteste in Pakistan: Muslime halten das Bild von Qasem Soleimani hoch.

Quelle: EPA/SHAHZAIB AKBER

Darüber, ob Mordanschläge auf Gegner wie Soleimani für eine Demokratie wie die USA ein angemessenes Mittel der Politik sind, kann man streiten. Völlig verlogen sind aber amerikanische Kommentare, die den iranischen General jetzt als Monster zeichnen, der seine gerechte Strafe erhalten habe. Soleimani war ohne Zweifel ein Gewalttäter, der auch im Irak viel Unheil angerichtet hat. Aber die Regierung eines Landes, das mit seiner Invasion im Irak den Tod von hunderttausenden unschuldigen Menschen verschuldete, sollte sich mit moralischen Urteilen lieber zurückhalten. Trumps Befehl an die amerikanischen Drohnenpiloten hat nichts mit Moral, dafür viel mit strategischer Konzeptlosigkeit im Umgang mit dem Iran zu tun. Auf die iranische Aggressivität im Nahen Osten lediglich mit Sanktionen und Mordanschlägen auf hochrangige Regimevertreter zu reagieren, führt zu immer neuen Eskalationen.

Soleimani war der mächtigste Agent im Nahen Osten

Den iranischen General, den die USA am Donnerstag bei einem Drohnenangriff in der irakischen Hauptstadt Bagdad getötet haben, kannte kaum jemand im Westen. Im Nahen Osten aber war Qassem Soleimani, 62, eine grosse Nummer.
Michael Wrase aus Limassol