Kommentar

Die Zeitbombe entschärfen

Arbeitgeber, die Flüchtlinge oder vorläufig Aufgenommene beschäftigen, sollen diesen nicht den vollen orts- und branchenüblichen Lohn überweisen müssen – das ist einer der Vorschläge des Beauftragten für Flüchtlinge und Wirtschaft, Eduard Gnesa.

Tobias Bär
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Tobias Bär.

Tobias Bär.

Die Schweizerische Konferenz für Sozialhilfe ist nicht bekannt für Alarmismus. Anfang 2017 aber sah sie den Zeitpunkt gekommen, auf eine Zeitbombe hinzuweisen: Man sei äusserst besorgt über die steigende Zahl von Flüchtlingen und vorläufig Aufgenommenen, die keine Stelle finden. Auf die Kantone und Gemeinden komme eine grosse Belastung zu. Denn der Bund kommt nur während fünf bis sieben Jahren für die Sozialhilfekosten auf, danach endet seine Zuständigkeit.

Die Politik ist nicht untätig geblieben: So ist im Sommer die Integrationsvorlehre angelaufen, mit der Flüchtlinge und vorläufig Aufgenommene auf eine Berufslehre vorbereitet werden sollen. Ausserdem überweist der Bund den Kantonen in Zukunft eine Integrationspauschale von 18000 Franken pro Person, drei Mal mehr als heute. Bei allen Anstrengungen wurde aber auch Offensichtliches versäumt: Viele Firmen vermissen schnell auffindbare Informationen rund um die Anstellung von Flüchtlingen. Dies geht aus dem Bericht des Sonderbeauftragten Eduard Gnesa hervor. Diese Lücke ist schleunigst zu schliessen.

Eine vertiefte Prüfung braucht es für die Einführung von Teillohnmodellen: Gnesa schlägt vor, dass Firmen, die Flüchtlinge anstellen, diesen nicht den vollen orts- und branchenüblichen Lohn überweisen müssen. Die Bedenken der Gewerkschaften sind ernst zu nehmen, doch spezielle Herausforderungen erfordern aussergewöhnliche Antworten. Gegenüber Gnesa haben die Arbeitgeber ihre Bereitschaft zur Anstellung von Flüchtlingen betont. Mit der Möglichkeit, diese schweizweit billiger zu beschäftigen, stiege der Anreiz. Die Kosten wären dann keine hinreichende Begründung mehr für die Zurückhaltung.