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Kommentar

Digitale Steinzeit in der Stadt Luzern

Luzern will in zehn Jahren zu den fortschrittlichsten Städten der Schweiz gehören. Die Stadt scheint sich 2019 näher an der Steinzeit als an der Gegenwart zu bewegen.
Jérôme Martinu, Chefredaktor

Die Stadt Luzern hat ihre «Digitalstrategie» präsentiert. Sie will in den nächsten zehn Jahren zu den «wegweisenden» Schweizer Städten zählen. Das ist ein grosses, richtiges Ziel. Positiv ist auch die selbstbewusste Ansage, zur Not selber einen Datenschützer einzusetzen, wenn der Kanton für diese unerlässliche, immer wichtigere Aufgabe nicht bald mehr Mittel spricht.

Eine «Digitalstrategie» ist tatsächlich dringend nötig. Beispiel 1: Die Luzerner Stadtverwaltung hat nicht einmal eine zentrale Adressverwaltung, die Karteien liegen in den Dienstabteilungen. In einer Firma vergleichbarer Grösse, also mit knapp 1000 Mitarbeitern, unvorstellbar. Beispiel 2: Es gibt regelmässig Anfragen aus der Wirtschaft mit dem Ziel, digitale Projekte im öffentlichen Raum umzusetzen. Bloss: Die Verwaltung ist nicht in der Lage, «auf solche Anfragen adäquat reagieren» zu können. Heisst: Entwicklungen und Innovationen, die der Stadt möglicherweise Schub verleihen könnten, versickern in den Amtsstuben.

Schon erstaunlich, dass sich eine Stadt wie Luzern im Jahr 2019 digital näher an der Steinzeit als an der Gegenwart zu bewegen scheint. Noch erstaunlicher ist es, dass die Stadt für ihren Sprung in die digitale Realität zwar 14,4 Millionen Franken investieren will, mit dieser erklecklichen Summe aber primär eine «Fachstelle Digitales», also die Verwaltung, alimentiert. Bürgerportal, digitale Baugesuche, öffentliches Datenportal – schön und gut. Das grösste Potenzial liegt aber nicht in Dienstleistungen, die eine Stadt eh längst bieten müsste. Es liegt im Nutzen von digitalen Innovationen, die den Alltag im öffentlichen Raum erleichtern. Hier muss Luzern selber ein mutiger, investierender Akteur werden. Die «Digitalstrategie» braucht ein zusätzliches Kapitel.

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