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Kommentar

DNA als Fahndungsinstrument: Ein heikler Balanceakt

Sasa Rasic, Leiter «Zentralschweiz am Sonntag», über das Vorhaben von Justizministerin Karin Keller-Sutter, künftig Gentest zur Fahndung nach Straftätern zu einzusetzen.
Sasa Rasic
Sasa Rasic, Leiter «Zentralschweiz am Sonntag»

Sasa Rasic, Leiter «Zentralschweiz am Sonntag»

Kaum ein Krimi kommt mehr ohne sie aus: DNA-Spuren, die direkt zum Täter führen. Auch in der Realität sind sie bei der Verbrechensbekämpfung nicht mehr weg­zudenken: Laut Zahlen der Bundespolizei Fedpol kam es 2017 bei insgesamt 5713 Delikten zu Identifizierungen aufgrund DNA-Spuren. Ein wichtiger Unterschied zur Fiktion ist jedoch, dass bei weitem nicht alles, was in diesem Belang technisch möglich ist, auch rechtlich von den Strafuntersuchungsbehörden angewendet werden darf. Wird DNA am Tatort gefunden kann die Probe mit einer Datenbank von bereits verurteilten Straftätern abgeglichen werden. Mehr ist aktuell nicht erlaubt. Bundesrätin Karin Keller-Sutter will dies nun ändern. Ein neues Gesetz soll der Polizei erlauben das sichergestellte Genmaterial zusätzlich zu untersuchen und beispielsweise Informationen über Haar- und Hautfarbe des Täters zu gewinnen – mit entsprechenden Bedenken bezüglich des Datenschutzes.

Die Details wirken neu, doch die Debatte ist wie bei anderen Fragen der Gentechnik ist eigentlich eine alte: Soll man alles machen, was auch technisch möglich ist? Niemand will, dass sich Täter hinter plombierten Ermittlungen verstecken können – so viel ist klar. Doch gewissen Datenschutzbedenken ist Rechnung zu tragen. Je nach Tatort muss bedacht werden, dass nicht nur Opfer und Täter DNA-Spuren hinterlassen, sondern auch Unbeteiligte. In dieser Situation unschuldig quasi als «Kollateral­schaden» in Ermittlungen hineinzugeraten, gehört für viele wohl zu Recht zu einer der übelsten Horrorvorstellungen. Denn die Signatur des Genmaterials ist einzigartig und führt unweigerlich zum dazugehörigen Menschen – egal ob er der Täter ist oder es sich um einen unglücklichen Zufall handelt. Die geplante Gesetzesänderung könnte also zu einem heiklen Balanceakt werden. Für interne Fahndungszwecke wären die zusätzlichen Informationen für die Arbeit der Polizei ein Gewinn. Nur schon etwa um die Zahl der Aufgebotenen bei Massen-DNA-Tests wie im Fall Emmen durch die gegebenen Merkmale zu reduzieren. Doch die Regeln für die Auswertung müssen klar und mit Augenmass definiert sein. Und sie dürfen nicht bei jedem Diebstahl zum Einsatz kommen, sondern der Aufklärung schwerer Verbrechen vorbehalten sein.

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