Kommentar

Ein Skandal, der wirklich einer ist

Jedes Jahr verpufft ein Sparpotenzial von 80 Millionen Franken im Schweizer Gesundheitswesen ungenutzt. Gefordert ist der Gesetzgeber.

Andreas Möckli
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Andreas Möckli

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Das Wort Skandal ist oft zu schnell zur Hand – und daher überstrapaziert. Doch in diesem Fall ist es angebracht. Der Pharmakonzern Roche verfügt über zwei Medikamente, die beide gegen eine Form von Altersblindheit namens AMD eingesetzt werden können. Allerdings ist nur das eine, Lucentis, offiziell gegen die Krankheit zugelassen. Das andere, Avastin, wirkt zwar ebenso gut gegen AMD. Zugelassen ist es aber nicht.

Wo liegt das Problem? Avastin ist 13-mal günstiger als Lucentis. In der Schweiz werden somit mindestens 80 Millionen Franken pro Jahr verschwendet, weil praktisch nur Lucentis gegen die Altersblindheit eingesetzt wird. Man kann es den Ärzten und Patienten nicht verübeln: Avastin darf von den Krankenkassen nicht vergütet werden, wird es gegen AMD eingesetzt.

Der Bund könnte dies mit einem Gesetzeseingriff ändern. Doch er weigert sich, und zwar schon seit über zehn Jahren. Politiker und Krankenkassen haben wiederholt Anlauf genommen, um diesen Missstand zu beheben. Geschehen ist nichts. Deshalb trifft hier das Wort Skandal zu.

Natürlich kann man auch Roche an den Pranger stellen. Es mag zynisch klingen, doch der Pharmakonzern verfolgt schlicht seine finanziellen Interessen. Gefordert ist deshalb der Gesetzgeber. Man kann nicht ständig über steigende Gesundheitskosten klagen und gleichzeitig solche Chancen jahrelang ungenutzt verstreichen lassen.

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