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Erdogans russische Raketen

Die Türkei bestellt als zweitgrösste Nato-Armee vom eigentlichen Gegner Russland Luftabwehr-Raketen. Die USA wollen dem Geschäft nicht tatenlos zusehen.
Gerd Höhler, Athen
Gerd Höhler

Gerd Höhler

Der türkische Staatschef Recep Tayyip Erdogan riskiert mit der Bestellung russischer Luftabwehrsysteme ein schweres Zerwürfnis mit den USA. Aber will Erdogan die russischen Raketen wirklich installieren? Oder muss er? Jetzt gibt es Hinweise darauf, dass dieses Rüstungsgeschäft der von Kremlchef Wladimir Putin geforderte Preis für die Nor­malisierung zwischen beiden Ländern ist. Deren Beziehungen waren auf dem Nullpunkt, nachdem die Türken im November 2015 einen russischen Kampfjet abgeschossen hatten.

Im Dezember 2017 unterzeichnete die Türkei mit Russland einen Vertrag über die Lieferung von vier Luftabwehr-Batterien des Typs S-400. Jetzt kommt es zum Showdown: «Wir werden nicht tatenlos zusehen, während ein Nato-Verbündeter Waffen von unseren Gegnern kauft», sagt US-Vizepräsident Mike Pence. Die S-400 sind nicht kompatibel mit den Strukturen der Nato. Die USA sehen darin eine Bedrohung für die Luftverteidigung der Allianz und drohen mit Gegenmassnahmen. Erdogan scheint dennoch entschlossen, an dem Raketengeschäft festzuhalten – auch um den Preis eines schweren Zerwürfnisses mit den USA. Vertragstreue? Oder Erpressung? Der türkische Ex-Diplomat Ali Tuygan glaubt den wahren Grund für das umstrittene Waffengeschäft zu kennen. Es sei der Preis, den Erdogan für eine Normalisierung der stark gespannten Beziehungen zu Moskau habe zahlen müssen, schrieb Tuygan diese Woche in seinem Internet-Blog «Diplomatic Opinion». Rückblende: Am 24. November 2015 schoss die türkische Luftwaffe im Grenzgebiet zu Syrien ein russisches Kampfflugzeug vom Typ Su-24 ab. Putin reagierte mit Sanktionen. Er verhängte Einfuhrverbote für türkische Waren, schränkte die Tätigkeit türkischer Unternehmen in Russland ein und verbot alle Charterflüge zwischen beiden Ländern. Der Tourismusboykott war für die türkische Reisebranche der Anfang einer schweren Krise.

Die Sanktionen führten Erdogan vor Augen, wie abhängig die Türkei von Russland war, nicht nur im Tourismus. Mehr als die Hälfte der türkischen Erdgasimporte kamen aus Russland – nicht auszudenken, wenn Putin den Gashahn zugedreht hätte. Im Juni 2016 ging Erdogan in die Knie und entschuldigte sich bei Putin für den Abschuss. Russland hob die Sanktionen auf.

Mit dem Raketengeschäft habe Putin es geschafft, «einen Keil in die Nato zu treiben», schreibt Botschafter a. D. Tuygan. «Will die Türkei die Nato verlassen?», fragte der US-Senator Chris Van Hollen auf Twitter. Aus Sicht der USA ist die geplante Installierung der S-400 besonders alarmierend, weil die Türkei bei Lockheed Martin 100 Exemplare des amerikanischen Tarnkappenflugzeugs F-35 bestellt hat. Die S-400 gilt als gefährlichster Gegner der F-35. Die Sorge in Washington: Russland, das zur Installation der Raketen eigene Techniker in die Türkei schicken wird, könnte dort die Stärken und Schwächen der F-35 ausspionieren.

Pentagon-Sprecher Charles Summers warnte die Türkei, wenn sie an dem Raketengeschäft festhalte, werde man die für dieses Jahr geplante Aus­lieferung der F-35 stoppen. Das wäre wohl erst der Anfang. Militärexperten rechnen mit der Möglichkeit eines generellen Waffenembargos der USA, wenn die Türkei an der Beschaffung der russischen Raketen festhält.

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