Kommentar

Vakanzen in Gemeinderäten: Erfahrung zählt!

Bei Vakanzen in Gemeinderäten kleiner Dörfer kommt es darauf an, Lösungen zugunsten des Allgemeinwohls zu finden. Dabei kann es nicht schaden, wenn Politveteranen in die Bresche springen.

Jérôme Martinu, Chefredaktor
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Jérôme Martinu

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Zwei kleine Zentralschweizer Dörfer mit Vakanzen in den Gemeinderäten – dennoch könnten die Geschichten unterschiedlicher nicht sein. Die Rede ist von Romoos im Kanton Luzern und – nicht zum ersten Mal an dieser Stelle – von Wassen in Uri. Im dreiköpfigen Romooser Gemeinderat scheidet der SVP-Vertreter im kommenden Februar aus Zeitgründen vorzeitig aus. In Wassen traten zur Wahl im September vier von sechs Exekutivmitgliedern nicht mehr an, mangels Freiwilliger wurden Bürger gegen ihren Willen als Kandidaten aufgestellt – der Urnengang wurde zur Schlammschlacht. Ende November kommt’s zum zweiten Wahlgang.

Während sich in Wassen der Politstreit hoch­geschaukelt hat, es gar zu anonymen Verhinderungskampagnen gekommen ist, ist die Vakanz in Romoos rasch bereinigt worden: Alt Nationalrat Ruedi Lustenberger (68, CVP) stellt sich bis 2020 zur Verfügung, das sei «eine Herzensangelegenheit». Die Lösung ist stabil und vorbildlich, weil sie einem Schulterschluss entspringt: Nicht nur Lustenbergers CVP trägt die Kandidatur, sondern auch die beiden weiteren Parteien im Dorf, FDP und SVP. In einer schwierigen Situation ist es nötig, die parteipolitischen Ansprüche – zumindest temporär – zugunsten einer fürs Gemeinwohl guten Lösung hintanzustellen.

Natürlich, es ist auch ein Glücksfall, dass in der Entlebucher Gemeinde ein gestählter Politiker zur Verfügung steht. Die Tatsache, dass dort ein 68-Jähriger in die Bresche springt, zeigt aber auch: Erfahrung und Leistungsbereitschaft der reiferen Mitbürgerinnen und Mitbürger soll man nicht unterschätzen und wenn immer möglich nutzen. Das gilt für politische Mandate ebenso wie für verantwortungsvolle Aufgaben in der Wirtschaft.