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Kolumne

Es wird nicht alles
automatisch besser

Die Lebenserwartung steigt immer weiter - dies gilt gemeinhin als gegeben. Doch der Fortschrittsglaube ist nicht über allen Zweifel erhaben.
Sasa Rasic

Es ist ein tröstender Gedanke und eine Annahme, die für viele schlicht wahr sein muss: Der allgemeine Fortschritt beschert den Menschen unter dem Strich höhere Lebensstandards und bessere Gesundheit. So erscheinen regelmässig hoffnungsvolle Meldungen zu neuen Methoden und Therapien für diverse Krankheiten. Damit einher gehen konstant steigende Zahlen zur ­Lebenserwartung. Bei deren Entwicklung kennen wir bisher grundsätzlich nur eine Richtung: nach oben.

Es zeigt sich, dass der Fortschrittsglaube – so gerne man ihn auch in sich trägt – nicht immer angebracht ist. Zahlen der OECD und diverser Studien zeigen, dass in einigen Staaten die Lebenserwartung in den letzten Jahren wieder gesunken ist (siehe ­Seite 9). Wohlgemerkt betrifft dies nicht nur Entwicklungsländer, sondern auch diverse Industrienationen, davon 6 der 28 EU-­Länder. Die Zahlen unterliegen natürlich Schwankungen, doch in einzelnen Fällen, wie etwa den USA und Grossbritannien, ist der Trend anhaltend. Erste Versicherungs­experten sehen Grund, sich auf derartige, unerwartete Entwicklungen vorzubereiten.

Die Entwicklung muss im Auge behalten werden. Denn die Prognosen zur Lebenserwartung – und der Glaube, dass alles automatisch immer besser wird – ­haben handfeste Auswirkungen auf Politik und den wahrgenommenen Handlungs­bedarf. Denn sie sind Grundlage für die Berechnung der zukünftigen Rentenfinanzierung. Jegliches Schrauben am Rentensystem muss in der Politik hart erkämpft werden, wie nicht nur die letzten Jahre gezeigt haben. Und falls sich die Situation wieder ändert, stehen erneut Reformen an – und der Kampf jener, die wieder schlechtergestellt würden, beginnt von vorne. Jeder Entscheid verändert Pfründe und jene, die von ihnen profitieren. Und bereits etablierte Abgabensysteme umzumodeln, sorgt in der Regel für Situationen, in der das Bonmot von der «Quadratur des Kreises» inflationär gebraucht wird. Wenn es ans «Lebendige» geht – das Rentenalter erhöht wird, die Beiträge grösser werden oder sogar Pensionen gekürzt werden – muss Klarheit über die Datengrundlage herrschen. Oder von der Lebenserwartung weniger abhängige Mechanismen spielen.

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