Kommentar

Freihandelsabkommen mit dem Mercosur? Der Markt gehört in Bauernhände

In der Landwirtschaft Südamerikas kommen für die Schweiz undenkbare Stoffe und Verfahren zum Einsatz. Trotzdem will der Bund ein Freihandelsabkommen abschliessen.

Raphael Bühlmann
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Raphael Bühlmann

Antibiotika, Hormone, Gentech oder problematische Pestizide. In der Landwirtschaft Südamerikas kommen Stoffe und Verfahren zum Einsatz, die in der Schweiz undenkbar sind. Dennoch will der Bund mit dem Mercado Común del Sur (Mercosur) ein Freihandelsabkommen abschliessen. Ist das richtig? Kritiker verneinen und fordern betreffend Produktionsbedingungen gleich lange Spiesse. Befürworter wollen die Frage dem Markt überlassen. Sie sagen, dass Konsumenten bereit sind für Schweizer Produkte mehr zu bezahlen. In Anbetracht der Transferleistungen für die Landwirtschaft, die vor allem auch die Exportindustrie generiert, scheint letzteres Argument nachvollziehbarer. Dennoch ist es problematisch.

Soll die Ausrichtung von Produktionsmethoden tatsächlich dem Kunden im Supermarkt überlassen werden, müssen Landwirte auch über die Massnahmen verfügen können, um auf entsprechende Trends reagieren zu können. Ein Beispiel wie dies aussieht, liefern die Produzentenorganisationen Bio Suisse oder IP Suisse. Sie orientieren sich am Markt und schöpfen Mehrwert für die Bauern ab. Nur sind die Marken «Bio-Knospe» und der «IP-Käfer» in Bauernhand. Sie bestimmen, wie sie produzieren und welche Produkte auf den Markt kommen.

Beim Beispiel Mercosur ist von Differenzierung durch Gesetze und Verordnungen die Rede. Ob sich Politiker ebenso stark und agil am Markt orientieren? Da bleiben zumindest Zweifel.