Kommentar

Friedensnobelpreis: Wirkung bleibt fraglich

Es ist ein starkes Zeichen aus Oslo, zwei Aktivisten und keinen Politikern den Friedensnobelpreis verliehen zu haben. Doch deren Einfluss bleibt im Gegensatz zu wichtigen Mandatsträgern bescheiden. 

Dominik Weingartner
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Dominik Weingartner

Dieses Jahr geht der Friedensnobelpreis an eine Menschenrechtsaktivistin und einen Arzt. Die 25-jährige Jesidin Nadia Murad wurde von der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) als Sexsklavin gehalten. Seit ihrer Flucht nach Deutschland macht sie auf die Gräueltaten des IS aufmerksam. Der 63-jährige kongolesische Gynäkologe Denis Mukwege hat sein Leben der Betreuung von Opfern sexueller Gewalt gewidmet.

Wenn man bedenkt, dass auch der nordkoreanische Diktator Kim Jong Un im Rennen war, der in seiner Heimat die Menschenrechte mit Füssen tritt, ist diese Wahl sehr zu begrüssen. Das Nobelpreiskomitee tut gut daran, neben Staatenlenkern wie dem damaligen kolumbianischen Präsidenten Juan Manuel Santos vor zwei Jahren oder Organisationen wie der internationalen Kampagne zur Abschaffung von Atomwaffen im letzten Jahr auch Einzelpersonen wie Denis Mukwege und Nadia Murad zu berücksichtigen. Es ist eine wichtige Anerkennung des grossen persönlichen Engagements dieser Aktivisten.

Ein Wermutstropfen aber bleibt. Solche Einzelfiguren werden nie den politischen Einfluss haben wie Staatschefs oder internationale Organisationen. Sie können auf Missstände hinweisen oder wie im Falle von Denis Mukwege Opfer von Kriegsverbrechen vor Ort versorgen, was zweifellos extrem wichtig ist. Doch leider sind sie nicht in der Lage, die strukturellen Probleme, die diesen Verbrechen zu Grunde liegen, zu verändern. Hier ist die Politik gefragt. Und so wird vielleicht nächstes Jahr wieder ein Politiker ausgezeichnet. Doch wenn die Aussicht auf einen Friedensnobelpreis Irrläufer wie Kim Jong Un oder Donald Trump mässigt, hat die Auszeichnung vielleicht doch nachhaltigen Einfluss.