Per Autostopp um die Welt (91)
„Für Behinderte interessiert sich hier niemand“ – göttliche Mission in Guatemala

In Woche 91 reist Thomas Schlittler von San Lucas Toliman (Guatemala) nach San Salvador (El Salvador).

Thomas Schlittler
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Die Woche in Guatemala beginnt mit einer Wanderung auf den 3537 Meter hohen Vulkan Atitlan. Wir werden für das frühe Aufstehen mit dieser Aussicht belohnt.
20 Bilder
Die Wanderung ist ziemlich hart_Wir legen rund 25km und 1800 Höhenmeter zurück.
Versüsst wird uns der Aufstieg durch solche Ausblicke.
Den steilen Schlussanstieg hätten wir uns aber sparen können. Denn zuoberst blicken unser Guide Alex und wir nur in dichten Nebel.
Unser nächster Halt ist die Kolonialstadt Antigua.
Antigua war von 1543 bis 1773 die Hauptstadt der spanischen Kolonien in Zentralamerika.
Auf unserem Programm steht ein Marktbesuch.
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Berühmt ist Antigua aber natürlich vor allem wegen der wunderschönen Gassen und der beeindruckenden Architektur.
Zudem sollte man hinter diesem Torbogen eigentlich den Vulkan Agua sehen. Doch das Wetter ist diese Woche nicht unser bester Freund.
Unser Ausflug auf den Vulkan Pacaya geht voll in die Hose.
Anstatt Lavaströme kriegen wir nur dichten Nebel zu sehen.
In der gemütlichen Kleinstadt Ataco in El Salvador ist das Wetter dann wieder besser. Mit unseren Ausflügen will es aber immer noch nicht so recht.
Zwar finden wir diesen schönen Wasserfall.
Die Hauptattraktion, ein noch deutlich grösserer Wasserfall, ist aber nicht zugänglich, da Bauarbeiten im Gange sind.
Doch wir geben nicht auf. Unser nächster Ausflug führt uns auf den Vulkan Santa Ana. Das Wetter ist zwar auch bei dieser Wanderung nicht fantastisch, ...
... aber wir haben zumindest gute Sicht auf den türkisblauen Kratersee.
Es ist schon ein spezielles Gefühl, so nahe an einem Vulkan zu sitzen, der 2005 das letzte Mal ausgebrochen ist.

Die Woche in Guatemala beginnt mit einer Wanderung auf den 3537 Meter hohen Vulkan Atitlan. Wir werden für das frühe Aufstehen mit dieser Aussicht belohnt.

Thomas Schlittler

Pat stammt aus dem US-Bundesstaat Nebraska und hat das „mittlere Alter“ überschritten, wie sie selbst sagt. Die Amerikanerin hat vier erwachsene Kinder und mehrere Enkel. Mit ihnen könnte sie in der Heimat gemütlich ihren Lebensabend geniessen. Doch Pat hat sich anders entschieden: „Vor sieben Jahren packte ich die Koffer und zog nach Guatemala.“
In Guatemala, wo Pat meine Freundin Lea, meinen Kumpel Tschügge und mich am Strassenrand aufliest, leidet die Bevölkerung noch immer unter den Folgen des blutigen Bürgerkriegs, der hier in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts über 30 Jahre lang tobte. Die hohe Kriminalitätsrate, der organisierte Drogenhandel sowie die weit verbreite Korruption behindern die Guatemalteken auf dem Weg in eine bessere Zukunft. Zudem gibt es in Guatemala nur ganz wenige, die viel haben. Der Reichtum ist so ungleich verteilt wie in kaum einem anderen Land.
Wer in Guatemala nicht zu den Privilegierten gehört, hat es schwierig. Noch schwieriger haben es aber diejenigen, die in dem zentralamerikanischen Land mit einer körperlichen oder geistigen Behinderung leben müssen. „Für Behinderte interessiert sich hier niemand“, sagt Pat. Sowohl die Regierung als auch die Menschen hätten andere Probleme. Vor allem in ländlichen Gebieten seien viele Familien damit beschäftigt, genügend Essen auf den Tisch zu bekommen. Sie hätten deshalb keine Zeit, sich um ein Familienmitglied mit Behinderung zu kümmern. Pat: „Viele Behinderte werden von ihren Familien sogar verstossen.“
Um solchen Menschen eine Perspektive zu bieten, hat Pat in der Kolonialstadt Antigua die „Casa de Esperanza“ („Haus der Hoffnung“) aufgebaut. Mittlerweile leben in dem Gebäude vier junge Männer, die auf den Rollstuhl angewiesen sind. Sie werden rund um die Uhr betreut, erhalten einen geregelten Tagesablauf und können eine Ausbildung machen. „Das Ziel ist, dass die Jungs eines Tages ein möglichst selbstständiges Leben führen können“, so Pat.