Gastkommentar

«Glauben Sie nicht einfach, was Sie sehen!»

Die iranische Journalistin Masih Alinejad, 43, warnt in der «Washington Post» davor, den Fernsehbildern von den Trauermärschen für General Qassem Soleimani zu glauben.

Masih Alinejad
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Masih Alinejad, iranische Journalistin.

Masih Alinejad, iranische Journalistin.

«In den kommenden Tagen werden wir Bilder von riesigen Menschenmengen in iranischen Städten sehen, die den Tod von Qassem Soleimani betrauern. Mein Rat: Glauben Sie nicht einfach blind, was Sie da sehen. (...) Erst im vergangenen November haben Tausende Iraner bei den grössten Unruhen seit 40 Jahren gegen das Regime demonstriert. Laut der Nachrichtenagentur Reuters wurden dabei mehr als 1500 Menschen getötet – unter anderem von den Revolutionären Garden Soleimanis – und 7000 verhaftet. (...) Die Protestierenden hatten Soleimani scharf kritisiert. (...) Wie also soll man die fahnenschwenkenden Mengen der Soleimani-Betrauernden einschätzen? Klar hatte Soleimani Anhänger. Doch das Regime lässt hier sicher nichts anbrennen. In der Stadt Ahvaz hat die Regierung Schüler und offizielle Vertreter zur Teilnahme an den Trauermärschen gezwungen. Schüler mussten in den Schulen Aufsätze über Soleimani schreiben. Die jüngsten wurden ermuntert, für Soleimani zu weinen. (...) Die Medien im Iran sind streng überwacht. Öffentliche Versammlungen sind nur erlaubt, wenn sie regimefreundlich sind. Kritiker werden eingesperrt oder erschossen. Es ist einfach für das Regime, diese Trauermärsche zu inszenieren. (...) Westliche Medien reagieren sehr kritisch auf solche Massenaufmärsche in anderen Ländern wie Russland oder Nordkorea. Sobald es um die Trauermärsche im Iran geht, verstummen die kritischen Stimmen. Auch wenn es schwierig ist für westliche Journalisten im Iran: Das ist keine Entschuldigung dafür, einfach leichtgläubig die Darstellungen des Regimes zu glauben.»

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