Grünvariabel

Die Wahlen im Kanton Luzern sind zu Ende - doch die Resultate geben noch zu reden.

Jérôme Martinu, Chefredaktor
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Jérôme Martinu.

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Eine politisch-klimatisch hitzige Woche geht zu Ende. Bei den Wahlen im Kanton Luzern haben Grüne, Grünliberale und SP markant zugelegt. Ein viel diskutierter Punkt im Nachgang zur Wahl: die Rolle der «hellgrünen» GLP. Die Farbe tüpft den politischen Kurs. Umweltbewusstsein und -verträglichkeit als Schwerpunkt, aber nicht so programmatisch hart wie das Original. Bloss, wo steht die GLP? Links? Mittig? Bürgerlich gar? Aussagen von Parteiexponenten am und nach dem Wahlsonntag vermittelten den Eindruck, dass sich die GLP zum siegreichen linken Teil zählt. Für die Partei stellt sich die Frage nicht: «Das klassische Links-rechts-Schema ist veraltet.»

Wirtschaftsliberal sei sie, betont die GLP. Gemessen am Abstimmungsverhalten bewegt sie sich im Kantonsrat derzeit indes nach links. Im Stadtparlament fährt sie schon länger diesen Kurs – und wehrt sich dennoch mit Händen und Füssen, zu den Linken gezählt zu werden. Man kann die GLP auch als grünvariabel bezeichnen. Diese Unberechenbarkeit macht es in der Stadt für CVP, FDP und SVP schwierig. Denn hier ist die GLP in der starken Rolle der Mehrheitsbeschafferin.

Variabel zeigt sich auch die SVP. Wie die nationale Partei bemühen die Luzerner die Theorie, wonach die Medien den Erfolg von Linksgrün und GLP befeuert hätten – weil sie dem Thema Klimaschutz derart viel Beachtung schenken. Das ist, mit Verlaub, eine billige Ausrede. Gerade die SVP war es, die bei den Wahlen vor vier Jahren vom damaligen medialen Themenschwerpunkt profitierte: der Migrations- und Asyldebatte. Der Klimawandel lässt sich nun mal nicht wegdiskutieren. Dass hier zählbare Lösungen erarbeitet werden müssen, akzeptieren inzwischen zum Glück die anderen bürgerlichen Parteien.