Kommentar

Atomkraft: Ideologie ist fehl am Platz

Als in der Schweiz vor über 50 Jahren die ersten Atomkraftwerke gebaut wurden, begrüssten dies Umweltschützer und Grüne.

Fabian Hägler
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Fabian Hägler

Fabian Hägler

Kernenergie galt in den 1960er-Jahren als saubere Alternative zu Strom aus Kohle- oder Gaskraftwerken, deren giftige Abgase die Luft verschmutzen. Heute sehen viele rechtsbürgerliche Politiker neue Atomkraftwerke als mögliches Mittel gegen den Klimawandel, weil solche Anlagen Strom produzieren, ohne dabei CO2 auszustossen.

Früher argumentierte die Atomlobby mit der Luftreinhaltung, heute mit dem Klimaschutz. Auf die Unterstützung der Umweltorganisationen kann sie allerdings nicht mehr zählen. Diese weisen auf die nach wie vor ungelöste Lagerung von Atomabfällen, die Umweltbelastung beim Uranabbau sowie die Risiken bei älteren Atomkraftwerken hin – auch das sind die gleichen Argumente, die schon seit Jahrzehnten diskutiert werden.

Vermehrt geht es heute aber nun darum, welche Gesundheitsschäden die radioaktive Strahlung auslösen kann. Umstritten sind dabei die Grenzwerte für die Belastung, die als unbedenklich gilt. Im Fall eines AKW-Mitarbeiters, der an Krebs leidet, hat das Bundesgericht jetzt entschieden, dass eine neue Berechnungsmethode zulässig ist. Hängig ist in Lausanne noch eine Klage von Anwohnern des AKW Beznau zu Strahlen­grenzwerten bei schweren Erdbeben. In diesen Fällen geht es nicht um politische oder ideologische Aspekte, sondern um Gesundheits­risiken. Unabhängig von der Einstellung zur Atomenergie ist es richtig, dabei alle neuen Erkenntnisse zu berücksich­tigen.

Arbeiter klagt auf Verstrahlung

Ein ehemaliger Anlageoperateur des AKW Leibstadt ist doppelt an Krebs erkrankt. Beim Bundesgericht findet er grundsätzlich Gehör: Auch niedrige Strahlendosen können Krankheiten auslösen.
Christian Mensch