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Kommentar

In eigener Sache: Wir bleiben dran an unserer Region

Jérôme Martinu, Chefredaktor der «Luzerner Zeitung», über die Schweizer Medienbranche und ihre Herausforderungen.

Liebe Leserinnen und Leser

2018 wurde das Onlineangebot unserer Zeitung massiv ausgebaut: Im Bild interviewt René Meier, Stv. Leiter der Onlineabteilung, einen Wasserschmöcker in Hohenrain für einen Videobeitrag. (Bild: Dominik Wunderli (19. Dezember 2018))

2018 wurde das Onlineangebot unserer Zeitung massiv ausgebaut: Im Bild interviewt René Meier, Stv. Leiter der Onlineabteilung, einen Wasserschmöcker in Hohenrain für einen Videobeitrag. (Bild: Dominik Wunderli (19. Dezember 2018))

Das obige Bild irritiert vielleicht. Ein Fernsehinterview? Das hier ist doch eine Zeitung! Ja, ganz recht. Die «Luzerner Zeitung» und ihre Regionalausgaben in Zug, Nid-, Obwalden und Uri, das sind nach wie vor und weiterhin Tageszeitungen mit regionalem Fokus. Der Journalist im Feld mit Videokamera und Mikrofon – er ist dennoch auch ein Zeitungsmacher. Schon lange betreiben Zeitungen Nachrichtenportale im Internet. Die fortschreitende Digitalisierung verändert die Mediennutzung zunehmend. Und so braucht es im Netz nicht nur schnell verfügbare Nachrichten in klassisch geschriebener Form, das Angebot muss der Nachfrage entsprechend breiter sein. Und dazu gehören eben auch Videos.

Unsere Redaktion arbeitet seit über zwei Jahren konvergent, also gleichzeitig für Print und Online. Redaktoren, Reporterinnen, Grafiker, Fotografinnen publizieren in beiden Welten. Das ist notwendig, denn der digitale Markt wird für Zeitungen immer wichtiger. Hierfür haben wir im vergangenen Jahr weitere grosse Umbauarbeiten ausgeführt. So wurde etwa unser Portal luzernerzeitung.ch im Mai komplett neu aufgestellt, Registrier- und Bezahlschranke installiert. Weil die Inhalte grundsätzlich zuerst aufs Netz gestellt werden, mussten auch die Abläufe und Zuordnungen in der Redaktion neu konzipiert werden. Alle Journalisten sind an digitalen Arbeitsinstrumenten geschult und an onlinetaugliche Erzähl- und Darstellungsformen herangeführt worden.

Einen solchen Umbau in kurzer Zeit und bei laufendem Betrieb erfolgreich zu meistern, das ist keine Selbstverständlichkeit. Es gibt dabei Rückschläge, Optimierungen sind ein stetiger Begleiter. Die Redaktion hat dies mit grossem Einsatz, teamorientiert und professionell gemeistert. Ich danke allen Zeitungsmachern (siehe Seiten 28 bis 30) recht herzlich dafür.

Seit 1. Oktober ist unsere Zeitung Teil des neuen Unternehmens CH Media, dem Joint Venture von NZZ Regionalmedien («Luzerner Zeitung» und «St. Galler Tagblatt») und AZ Medien («Aargauer Zeitung»). Mit der Fusion wollen wir die Schlagkraft im Markt erhöhen. Denn der Medienmarkt ist stark unter Druck. Auch CH Media muss die Kosten erheblich senken, im November ist ein entsprechendes Projekt öffentlich gemacht worden. Es wird dabei innerhalb der nächsten drei Jahre auch zu einem Stellenabbau kommen.

2018 wurde die Schweizer Medienbranche durch massive Einschnitte geprägt. Der Grund ist wirtschaftlicher Natur: Die Werbeinnahmen der privaten Medienunternehmen schmelzen sukzessive weg, die Zahlbereitschaft für journalistische Inhalte ist brüchig. Eine konkrete Zahl: Die Verlage verlieren jährlich 10 bis 15 Prozent an Inserateerträgen. Heisst auch: Die Preise für die klassischen Produkte werden weiter steigen. Der Online-Werbemarkt wächst zwar, dort sind die Profiteure indes die globalen Giganten Google und Facebook.

Einige Ereignisse des letzten Jahres: Die Wochenzeitung «L’Hebdo», die Printausgabe von «Le Matin» in der Westschweiz und das Tessiner «Giornale del Popolo» werden eingestellt; die gebührenfinanzierte SRG wird (No-Billag-Initiative) in eine Sinnkrise katapultiert und löst eine grosse Sparübung aus; die finanziell angeschlagene Schweizerische Depeschenagentur (SDA) fusioniert mit der Bildagentur Keystone; der einstige Gigant in der Werbevermarktung, Publicitas, meldet Konkurs an; die «Basler Zeitung» wird an Tamedia verkauft; Ringier hat die Printausgabe des «Blick am Abend» soeben gestoppt. Aber auch der lokale Markt ist zunehmend unter Druck: Der «Rigi-Anzeiger» wird Knall auf Fall eingestellt.

Man kann nun – nicht zu Unrecht – die schwindende Medienvielfalt beklagen. Man kann aber auch festhalten – und das ist viel wichtiger –, dass der Journalismus deswegen weder schlechter noch weniger nachgefragt geworden ist. Wir Zeitungsmacher fühlen uns den Inhalten verpflichtet. Wir versuchen faktentreu, fair, klar, umfassend und zeitnah zu berichten, insbesondere über die Geschehnisse in der Zentralschweiz. Um wach, engagiert und reaktionsschnell zu sein, sind nicht die Strukturen entscheidend, sondern die journalistische Motivation.

Wir wollen wesentlich zur notwendigen öffentlichen Debatte beitragen. Wir versuchen hartnäckig, dranzubleiben. Wir zählen dabei auf Sie, liebe Leserinnen und Leser, und danken Ihnen herzlich für Ihre Treue. Und für Ihr Verständnis, dass (regionale) journalistische Inhalte einen Wert haben, der nicht gratis zu haben ist.

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