Kommentar

Kein Platz für Schlaumeierei

Gesetze, welche Geldwäsche zur strafbaren Handlung machen, sind noch ziemlich jung. In der Schweiz ist das erste Anti-Geldwäschegesetz erst 21 Jahre alt. Der wichtigste Grund für diese späte Reaktion ist vielleicht, dass wir uns gute Geschäfte nur sehr ungern entgehen lassen.

Daniel Zulauf
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Daniel Zulauf.

Daniel Zulauf.

Spätestens seit den Zeiten von Al Capone wissen wir: Die grössten Verbrecher hinterlassen typischerweise am wenigsten Spuren. Der Mafiaboss trieb jahrelang sein Unwesen in Chicago, bis er aufgrund eines simplen Steuerdeliktes überführt werden konnte. Hätte sich die Polizei auf die Geldflüsse konzentriert, die über ein verzweigtes System von Waschsalons alle wieder bei Al Capone zusammenliefen, wäre sie dem Paten wohl schnell habhaft geworden.

Gesetze, welche Geldwäsche zur strafbaren Handlung machen, sind noch ziemlich jung. In der Schweiz ist das erste Anti-Geldwäschegesetz erst 21 Jahre alt. Der wichtigste Grund für diese späte Reaktion ist vielleicht, dass wir uns gute Geschäfte nur sehr ungern entgehen lassen – auch dann nicht, wenn sie einen schlechten Beigeschmack haben. Die Bewertung solchen Verhaltens war lange Zeit das alleinige Hoheitsgebiet der Moralisten. Inzwischen ist das Thema Geldwäsche aber auch für die legale Wirtschaft höchst relevant.

Nun räumen also auch europäische Geldhäuser Fehler ein und zahlen Millionenbussen. Hennie Verbeek Kusters, Leiterin der niederländischen Anti-Geldwäschebehörde, sagt im Interview bezüglich den wegen Geldwäscherei bezichtigten Danske Bank und ING: «Ich kann nur hoffen, dass alle Finanzinstitutionen diese Fälle als Weckruf verstehen.» Der Satz sollte auch von den hiesigen Banken als Drohung aufgefasst werden. Die Fälle zeigen, dass nach Amerika nun auch die europäische Justiz begonnen hat, das Übel mit abschreckend hohen Strafen zu bekämpfen. In Dänemark gibt es sogar die Befürchtung, dass eine Strafe gegen die Bank auf die Steuerzahler zurückfallen könnte. In diesem Klima gibt es für Schlaumeierei im Bankgewerbe keinen Platz mehr – zum Glück.