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Kommentar

Kleines Plädoyer für die wütende Serena Williams

Zum Ausraster in der Tenniswelt
Susanne Holz
Susanne Holz

Susanne Holz

Tennis hat mich noch nie sonderlich interessiert; als ich klein war, war das noch ein Sport der Privilegierten, und da gehörte ich nicht dazu. Ich gehörte zu denen, die auf Bäume kletterten und Bücher lasen, manchmal las man die Bücher auch auf den Bäumen.

Serena Williams stand deshalb bislang auch nie im Fokus meiner Aufmerksamkeit. Bis jetzt. Plötzlich schimpft die halbe Welt über Serena. In den Beschimpfungen nach ihrer Ausraster-Serie beim Endspiel der US Open schwingt in meinem Umfeld auch viel Chauvinistisches mit: Die soll doch endlich aufhören mit dem Profisport und sich um ihr Kind kümmern. Und überhaupt, was für ein Ballettröckchen trägt die auf dem Tennisplatz, und das mit der stämmigen Figur.

Wer mit 36 Jahren 23 Grand-Slam-Turniere im Einzel gewonnen hat, der ist nicht dumm

Ich bin sicher, Serena weiss, dass so über sie geredet wird. Wer mit 36 Jahren 23 Grand-Slam-Turniere im Einzel gewonnen hat, viele Jahre die Tennisweltrangliste anführte und sich die bislang höchste Karrierepreisgeldsumme im Damentennis erspielte, der ist nicht dumm.

Um das zu erreichen, braucht es zudem Temperament und Leidenschaft. Nur absolute Kämpfernaturen schaffen so etwas. Und absolute Kämpfernaturen dürfen auch mal ausrasten, das gehört dazu. Serena Williams ist zudem schwarz, was keine Rolle spielen sollte, es aber sehr wohl tut. Schwarze sind nach wie vor unterprivilegiert, gerade in den USA.

John McEnroe liebte man für so etwas.

Klar, Serenas Wortwahl gegenüber Schiedsrichter Carlos Ramos war ziemlich happig. Ich verstehe meinen Kollegen, der das unmöglich findet, gerade auch, weil Serena schon früher mit Derbheiten um sich schlug, wie etwa: «Ich steck dir einen Ball in den Hals.» Mein Kollege ist der Ansicht: Würde sich ein Spieler das bei einer Schiedsrichterin erlauben, gäbe es einen Aufschrei ohnegleichen.

Andererseits: Ist es nicht immer noch so, dass Männer erst gar nicht in so eine Gefühlslage kommen (müssen), weil die Welt (der Frauen) ihnen einfach mehr Nachsicht und Respekt entgegenbringt – und oft auch mehr Liebe? Ich erinnere mich gut, obwohl ich nie Tennisfan war, wie sich in den Achtzigern die positiven Gefühle für Tennisrüpel John McEnroe fast überschlugen, sagte er «Mo­therfucker» zum Linien- oder Schiedsrichter oder rasierte er vor Wut eine Reihe Blumentöpfe mit seinem Schläger einfach mal um. John McEnroe liebte man für so etwas. Wieso sollte das bei Serena anders sein? Ich drücke ihr die Daumen für alles, was sie noch erreichen will.

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