Kommentar

Der Fall des Bärenjägers: Die Methode hat System

Unter Michael Lauber hat sich in der Bundesanwaltschaft ein neuer Ermittlungsstil etabliert: Wenn man auf formellem Weg nicht weiterkommt, versucht man es auf dem informellen. Zwei Kollegen hat er deshalb angezeigt, aber bei sich selber sieht er kein Problem.

Andreas Maurer
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Gerichtsreporter Andreas Maurer.

Gerichtsreporter Andreas Maurer.

Sandra Ardizzone

Viktor K., der Bundeskriminalpolizist mit dem Pseudonym, hat von der Bundesanwaltschaft explizit den Auftrag erhalten, auf informellem Weg Informationen zu beschaffen.

Die Kultur der Informalität wird von Bundesanwalt
Michael Lauber persönlich vorgelebt. Dreimal hat er sich mit Fifa-Boss Gianni Infantino ausserhalb des Büros und des Protokolls getroffen.

Laubers Ex-Chefermittler für Wirtschaftsdelikte, Olivier Thormann, arbeitete nach dem gleichen Muster: Er dinierte mit dem Chefjuristen der Fifa, bot diesem das Du an und übernahm am Schluss die Rechnung von 199.70 Franken.

Alle drei Ermittler meinten es gut. Sie begaben sich in eine Grauzone, um ihre Arbeit voranzubringen, nicht um sich zu bereichern. Sie wollten keine biederen Beamten sein, die ihre Ermittlungen an Formalitäten scheitern lassen. Weil im Rechtssystem aber die Form wichtiger ist als der Inhalt, scheitern sie gerade deshalb an Formalitäten.

Die Konsequenzen für die drei Ermittler sind allerdings unterschiedlich. Viktor K. und Thormann wurden freigestellt und angezeigt. Lauber persönlich sorgte dafür, dass es in den beiden Fällen zu Strafverfahren kam. Den Fall Thormann delegierte er aber an einen externen Staatsanwalt, der das Verfahren sogleich einstellte. Den Bärenjäger wollte die Bundesanwaltschaft hingegen selber erledigen. Dabei verhedderte sie sich in einem jahrelangen Verfahren.

Und Lauber selber? Er wehrt sich dagegen, dass seine informellen Treffen überhaupt untersucht werden. Kritik empfindet er als Majestätsbeleidigung. Denn nur einer ist
unfehlbar: der Chef.

Viktor K. wurde auf Auslandreisen als der persönliche Berater von Bundesanwalt Michael Lauber vorgestellt. 2014 liessen sie sich von den Russen auf eine Jachtfahrt auf dem Baikalsee einladen.

Viktor K. wurde auf Auslandreisen als der persönliche Berater von Bundesanwalt Michael Lauber vorgestellt. 2014 liessen sie sich von den Russen auf eine Jachtfahrt auf dem Baikalsee einladen.

ZVG
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