Kommentar «Chefsache»
Dieser Streit ist museumsreif

Zusammenführung von Naturmuseum und Historischem Museum ja, aber sicher nicht dort, wo die Luzerner Kantonsregierung das gerne hätte. Das grosse Umzugsprojekt ist politisch fast schon tot, höchste Zeit also für einen regierungsrätlichen Kurswechsel.

Jérôme Martinu, Chefredaktor
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Politisch umstrittenes Projekt: Natur- und Historisches Museum sollen gemäss Luzerner Regierungsrates ins alte Zeughaus (links im Hintergrund) umziehen.

Politisch umstrittenes Projekt: Natur- und Historisches Museum sollen gemäss Luzerner Regierungsrates ins alte Zeughaus (links im Hintergrund) umziehen.

Bild: Boris Bürgisser (Luzern, 14. September 2021)

«Das Zeughaus als Standort ist ein totes Pferd, steigen Sie bitte ab.» Dieser Appell der SP an den Luzerner Regierungsrat lässt an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig. Und dies völlig zu Recht. Was ist passiert? Der Luzerner Regierungsrat will Natur- und Historisches Museum ins alte Zeughaus der Stadt Luzern verlegen. Am bisherigen Standort am Kasernenplatz sollen die kantonalen Gerichte endlich einen gemeinsamen Platz finden.

An der Notwendigkeit für ein neues Museumskonzept zweifelt kaum jemand. Beim Standort Zeughaus und den Projektkosten von 35 Millionen Franken hingegen haben alle Kantonsratsparteien ausser der SVP erhebliche Vorbehalte. Und in der Standortgemeinde sind sogar Parlament und Exekutive dagegen. Viel zu spät ist die Stadt Luzern einbezogen worden. Kein Wunder, sind die Fronten derart verhärtet. Kurz: Das Projekt ist museumsreif, da politisch nicht mehrheitsfähig.

Höchste Zeit, dass der Regierungsrat über seinen Schatten springt und die entgleiste Angelegenheit mit einer Neubeurteilung wieder auf die Schienen hievt. Die Zusammenführung der beiden Museen muss so konzipiert werden, dass der neue Standort zu den zukunftsgerichteten Anforderungen für ein konzeptionell modernes und gut zugängliches Museum passt. Denn in der Aussensicht sind genau diese Prämissen viel zu wenig gewichtet worden. Oder wie es die FDP formuliert: «Man hat ein leeres Gebäude zu füllen und entwickelte Bedürfnisse, die dazu passen, anstatt umgekehrt.» Wie wahr.

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