Kommentar «Chefsache»
Luzern muss über den eigenen Schatten und den Stadt-Land-Graben springen

Gute Landschaft, böse Städte? Die SVP bewirtschaftet die Stadt-Land-Unterschiede derzeit exzessiv, die Realität sieht zum Glück versöhnlicher aus. Im Kanton Luzern etwa wollen sich die Stadt und der Gemeindeverband nach sechs Jahren Trennung nun wieder zusammenraufen.

Jérôme Martinu, Chefredaktor
Jérôme Martinu, Chefredaktor Jetzt kommentieren
Drucken
Teilen
Die Stadt Luzern kann nicht ohne die Landschaft – und umgekehrt.

Die Stadt Luzern kann nicht ohne die Landschaft – und umgekehrt.

Bild: Boris Bürgisser/«Luzerner Zeitung» (27. März 2019)

Die Unterschiede zwischen Stadt und Land werden derzeit kräftig bewirtschaftet – schweizweit. Lebensweisen, Ansprüche und durchaus auch politische Ansichten von ländlichen und urbanen Bevölkerungsgruppen unterscheiden sich zweifellos. Dies wie die SVP zu einem unüberwindbaren Graben emporzustilisieren versuchen, ist aber sehr fragwürdig. Denn die Realität ist zum Glück differenzierter und in der Regel entspannter.

Natürlich, zwischen Land und Stadt kann es auch so richtig chlöpfen. Ein aktuelles Beispiel für eine solche Geschichte spielt in der Zentralschweiz, wo sich die Stadt Luzern unter lautem Getöse aus dem Verband Luzerner Gemeinden (VLG) verabschiedet hatte. Grund für den Austritt von 2015 aus Sicht des Stadtparlaments: ein zu grosses Macht-, Kompetenzen- und Finanzgefälle zu Ungunsten des urbanen Kantonshauptortes. Und dies in einem Verband, in dem die Landgemeinden naturgemäss zahlenmässig überlegen sind. Trotz Knall: Geredet hat man weiterhin miteinander, Annäherungsversuche inklusive. Und nun will der Stadtrat 2022 offiziell wieder Mitglied werden. Zu wichtig ist das Zusammenspiel des VLG mit Regierungsrat und Verwaltung. Die Nachteile für die Stadt werden durch das Abseitsstehen immer grösser. Zudem hat sich der Verband auch bewegt und das Kräfteverhältnis zwischen Stadt und Land strukturell verbessert.

Trotz Unterschieden: Miteinander ist also definitiv besser als gegeneinander. Jetzt muss nur noch das Luzerner Stadtparlament über den eigenen Schatten und den Stadt-Land-Graben springen.

0 Kommentare

Aktuelle Nachrichten