KOMMENTAR
Die GCK Lions sind erwünscht, die EVZ Academy hat keinen Platz: Die Argumentation dazu ist fadenscheinig

Die Swiss League erfindet sich ab der Saison 2022/23 neu Leidtragende sind die Farmteams. Doch nicht bei allen wird mit gleichen Ellen gemessen.

Philipp Zurfluh
Philipp Zurfluh
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Andreas Döpfner und die EVZ Academy werden aller Voraussicht ab der Saison 2022/23 nicht mehr Teil der Swiss League sein.

Andreas Döpfner und die EVZ Academy werden aller Voraussicht ab der Saison 2022/23 nicht mehr Teil der Swiss League sein.

Bild: Jakob Ineichen (Zug, 11. Oktober 2020)

EVZ Academy, HCB Ticino Rockets und GCK Lions: Was haben diese drei Mannschaften gemeinsam? Sie sind Farmteams von National-League-Klubs und haben die Qualifikation auf den Rängen 9, 10 und 11 beendet. Doch die Wege der drei Equipen werden sich aller Voraussicht nach ab der Saison 2022/23 trennen.

Bei der Gründung der neu positionierten Swiss League waren nur die GCK Lions eingeladen. Farmteam ist also nicht gleich Farmteam. Die Rechtfertigung: Die grosszügig von Lions-Mäzen und Milliardär Walter Frey alimentierten Zürcher haben seit 20 Jahren einen Platz in dieser Liga– quasi ein Team mit Tradition. Dass bei der Aufwertung der Liga Ausbildungsteams für die Ausschöpfung des Marktpotenzials ein Hemmnis sind, kann nachvollziehbar begründet werden. Aber in diesem Sinn ist das Argument, die GCK Lions zu behalten, nicht rational zu begründen und fadenscheinig. Der Zuschauerschnitt bei den von vielen Fankreisen unbeliebten Farmteams bewegte sich vergangene Saison zwischen 180 und 221 auf gleich niedrigem Niveau. Zum Vergleich: Bei Kloten strömten durchschnittlich 4900 Fans ins Stadion. Man will also keine «Geisterspiele» mehr.

Natürlich haben die Zuger und Tessiner davon profitiert, dass es in den vergangenen Jahren keinen Absteiger gegeben hat. Aus sportlicher Sicht ist die Bilanz der Mannschaften bescheiden. Und trotzdem: In dieser Saison haben zum Beispiel die Tessiner «Raketen» Aufstiegsfavorit Kloten in drei von vier Saisonspielen besiegt, also waren sie nicht nur Punktelieferant.

Mit den aufstiegswilligen EHC Arosa und EHC Basel scharren schon zwei Klubs mit den Hufen. Die Liga will sich einen bodenständigen und schweizerischen Anstrich verpassen, als Kontrast zur National League – aber eben ohne reine Ausbildungsteams. Homogenität statt Heterogenität, so das Credo.

Das ist legitim. Doch die EVZ Academy und Ticino Rockets leisten enorm wichtige Nachwuchsarbeit. Etliche Spieler ihrer Organisationen waren und sind bei diversen Kontrahenten tätig. Sie beweisen sich und empfehlen sich für höhere Aufgaben. Alle profitieren. Ein Erfolgsmodell.

Das Letzte, was das krisengeplagte Schweizer Eishockey– teilweise aus eigenem Verschulden – gebrauchen kann, sind angedrohte juristische Streitereien. Wie bei der geplanten Reform der National League nimmt man von aussen ein Gegeneinander statt Miteinander wahr. Nötig wären Vernunft und Weitsicht. Man wünscht es sich als Eishockey-Fan.