Kommentar
FCL wegen Cupfeier gebüsst – Polizei und Staatsanwaltschaft handeln inkonsequent

Die Feier war unbewilligt und darum illegal: Strafbefehl und 7000 Franken Busse für den FCL-Präsidenten Stefan Wolf für die Cupsiegerfeier auf der Luzerner Allmend. Polizei und Strafuntersuchungsbehörden haben ihren Ermessensspielraum nicht genutzt und die weiteren Verantwortlichen geschont.

Jérôme Martinu, Chefredaktor
Jérôme Martinu, Chefredaktor
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24. Mai 2021: Spieler, Trainer und Staff des FCL feiern nach ihrem Cupsieg gegen St. Gallen vor rund 10'000 Fans auf dem Balkon des Messegebäudes auf der Luzerner Allmend.

24. Mai 2021: Spieler, Trainer und Staff des FCL feiern nach ihrem Cupsieg gegen St. Gallen vor rund 10'000 Fans auf dem Balkon des Messegebäudes auf der Luzerner Allmend.

Bild: Pius Amrein (Luzern, 24. Mai 2021)

«Unnötig und übermässig lange» habe sich der FCL auf der Allmend nach seinem Cupsieg den 10'000 Fans präsentiert. Laut Luzerner Staatsanwaltschaft hat der FCL damit eine gemäss Covid-Regime unbewilligte Feier veranstaltet. Dem FCL-Präsident Stefan Wolf wird stellvertretend ein Strafbefehl mit 7000 Franken Busse aufgebrummt. Zu weiteren Verantwortlichen hat die Justiz «keine Feststellungen» gemacht.

Auf den ersten Blick schlüssig, wirkt das Verdikt bei näherer Betrachtung oberflächlich und inkonsequent. Warum wird die Stadt Luzern nicht ebenso zur Rechenschaft gezogen? Erst auf Betreiben des Stadtpräsidenten wurde der FCL-Balkonauftritt überhaupt möglich, er war also Mitorganisator. Und warum wurden die Verantwortlichen für die Feier im Vögeligärtli nicht ausfindig gemacht und gebüsst? Erst aufgrund von deren orchestriertem Aufmarsch mit TV-Anlage und Getränken erwuchs dort eine Massenveranstaltung, die zur Basis für die Allmendfeier wurde.

Die Polizei hat bei der Feier den Ermessensspielraum genützt und ist aus Gründen der Verhältnismässigkeit nicht gegen die Fans eingeschritten. Gleich hätten es Polizei und Staatsanwaltschaft im Nachgang tun können, so wie auch die EVZ-Spontanmeisterfeier in Zug folgenlos blieb. Oder aber die Gesetzeshüter hätten konsequent gegen alle Verantwortlichen vorgehen müssen. Es spricht für den FCL, dass er den Schuldspruch akzeptiert. Deckel drauf, abhaken. Die sportliche Baustelle ist eh viel grösser.

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