Kommentar
Nestlés Verzicht auf einen Russland-Boykott ist ein Fehler – nun zahlt der Konzern teuer dafür

Der Schweizer Nahrungsmittelkonzern hat den Zorn von Ukraines Präsident Wolodimir Selenski auf sich gezogen. Nestlé sollte jetzt nachholen, was es längst hätte tun sollen.

Patrik Müller
Patrik Müller
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Kein Grundnahrungsmittel: Kritiker halten es für unverständlich, dass Nestlé in Russland weiter Nesquik, Kitkat und Glacé verkauft.

Kein Grundnahrungsmittel: Kritiker halten es für unverständlich, dass Nestlé in Russland weiter Nesquik, Kitkat und Glacé verkauft.

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Wir halten uns raus aus der Politik! Das ist das Credo westlicher Konzerne, und damit begründen Weltmarken wie Coca-Cola, Google oder Rolex, dass sie ihre Produkte auch in Staaten verkaufen, die Menschenrechte verletzen und von Despoten regiert werden. Für den Marktzugang gehen sie oft fragwürdige Deals ein.

Schon in normalen Zeiten machen es sich die Konzerne damit zu einfach. Im Krieg funktioniert ihr Credo definitiv nicht mehr. Denn Firmen, die in Russland selbst jetzt noch geschäften, halten sich mitnichten aus der Politik heraus – sondern sie setzen sich im Gegenteil dem Verdacht aus, Politik zu machen. Politik zu Gunsten des Kriegstreibers Wladimir Putin.

Nestlé ist so eine Firma. Sie hat, anders als die meisten anderen Konzerne, die Zeichen der Zeit nicht erkannt und erleidet nun einen Reputationsschaden, der das Unternehmen aus Vevey teurer zu stehen kommen könnte als ein Russland-Boykott.

Ukraines Präsident Wolodimir Selenski hat Nestlé ausdrücklich genannt in einer viel beachteten Ansprache. Er brachte Nestlé als Beispiel für grosse Unternehmen, welche «die russische Kriegsmaschinerie mitfinanzieren».

Nestlé sollte jetzt nachholen, was es längst hätte tun sollen: In Russland nur noch Grundnahrungsmittel verkaufen. Ein Totalboykott würde die falschen Leute treffen. Aber dass Nestlé mit entbehrlichen Produkten wie Schokolade und Glace in Russland auch drei Wochen nach Kriegsbeginn weiter Umsatz macht, ist unverständlich.